Haus der Wissenschaft/Vortrag um 11: Vom Reden in Metaphern

Datum/Uhrzeit
24.01.2026
11:00 - 12:00

Veranstaltungsort
Sandstraße 4/5, 28195 Bremen

Kategorie

Tags
kostenfrei, Rainer Stollmann, Universität Bremen


Beschreibung

Am Samstag, den 24. Januar 2026 um 11 Uhr hält Prof. Dr. Rainer Stollmann einen Vortrag bei Wissen um 11 mit dem Titel „Vom Reden in Metaphern“. Stollmann war bis 2012 Hochschullehrer an der Universität Bremen im Fachbereich Kulturwissenschaft. Bekannt wurde er mit Büchern und zahlreichen Artikeln zum Thema Lachen, Humor und Komik. Seit 2014 ist er einer der Herausgeber des Alexander Kluge-Jahrbuchs.

Der Vortrag
Die Wissenschaft redet in Begriffen, die Dichtung in Metaphern. Begriffe sind genau, aber abstrakt, Metaphern ungenau, aber anschaulich. „Am Fuß des Berges“ ist unten, egal wie hoch der Berg ist. „Hier ist 48,34 m über Normalnull“ ist präzise, es kann aber auf dem Gipfel der Blockland-Deponie sein oder am „Fuß“ des Jungfraujochs. Insofern die moderne Welt wissenschaftlich hergestellt, „entzaubert“ wurde, die Realität also selbst abstrakt geworden ist – „Gesellschaft“ oder „Wirklichkeit“ kann man nicht einfach „sehen“ – sind Metaphern selbst in die Kritik geraten. Schon Hegel sprach deshalb vom „Ende der Kunstperiode“. Trotzdem kommt Literatur von Metaphern nicht los. Besonders hermetisch ist folgender Text von Alexander Kluge:

0,0001% der Lebenszeit
Die Schultern gekrümmt, hockt der Wirt des Lokals Brusquetta d’Agneau über seiner Zeitung und dem Milchkaffee. Seine Frau, die Wirtin, macht ihn aufmerksam auf die Auseinandersetzung zwischen drei Hunden im Hauseingang gegenüber. Jetzt sind die Hunde verschwunden. Der Wirt blickt (in der Trägheit des Morgens) noch immer zur Tür, durch die sie ins Haus verschwanden (bis zuletzt im Streit). Er hat seinen Kopf mit gleichgültig-neugierigem Augenausdruck insgesamt 31 Sekunden in der seitlichen Richtung gehalten. Er rückt sein Gesichtsfeld nunmehr zur Zeitung hin. Eines langen Vormittags Reise bis zur Ankunft der Mittagsgäste. Der Wirt hat weniger als 0,0001 Prozent seiner Lebenszeit für den Seitenblick auf die Hunde verbraucht.

Warum erzählt der Autor uns, wie jemand eine halbe Minute Löcher in die Luft guckt? Der Text ist so verschlossen wie die Tür, auf die der Wirt starrt. – Sie sind eingeladen zum lustigen Metaphern-Knacken. Der Referent möchte Ihnen zeigen, warum es sinnvoll ist, so rätselhaft zu reden. Ein Tipp: Wenn man ausrechnet, wie lange der Wirt lebt, hat man einen ersten Schlüssel. (Quellen: Vom Reden in Metaphern ,abgerufen am 22.01.26)

Dieser Vortrag wird als Präsenzveranstaltung stattfinden. Zusätzlich wird der Vortrag aufgenommen und auf dem YouTube-Kanal abrufbar sein.

Der Eintritt ist frei!