Autor:in: Volker Althoff

Seelenräume: Psychische Gesundheit durch die Linse von Graphic Novels erblicken

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Seelenräume: Psychische Gesundheit durch die Linse von Graphic Novels erblicken: Sonderausstellung im Krankenhaus-Museum zu sehen/Illustrator:innen zeigen ihre Arbeiten.

Durch die Linse von Graphic Novels, Comics und Cartoons können  komplexe Inhalte auf eine zugängliche Weise erklären. Diese Hilfsmittel kommen gerade dann zum Einsatz, wenn es um das Thema psychische Gesundheit geht. Dabei handelt es sich um Psychosen, Depression, wahnhafte Störung, Panikattacken, Angsterkrankungen, Demenz, Alkoholismus, der Umgang mit dem Suizid eines nahen Angehörigen, Ess-störungen, Asperger-Autismus oder Einblicke in die Psychiatrie. Über 20 namenhafte Illustrator:innen präsentieren in der neuen Sonderausstellung „Seelenräume: Psychische Erkrankungen in Grafischen Erzählungen“ ihre Werke, die im ersten Obergeschoss des Krankenhaus-Museums zu sehen sind. Dabei geben unterschiedliche Charaktere Einblicke in ihr Seelenleben – wie ist es mit einer psychischen Erkrankung zu leben? Wie gehen Angehörige damit um? Zum Teil verarbeiten Autor:innen ihre persönlichen Erfahrungen in den Werken.

„Der Name der Ausstellung geht auf Olaf Mehl zurück. Der Kurator, der im Haus 5 des LVR-Klinikums in Düren tätig ist, hat die Ausstellung zusammengestellt. Das Wort ‘Seelenräume’ hat eine Doppeldeutigkeit: Die Seele ist etwas Abstraktes und der Raum ist begrenzbar“, erläutert Jannik Sachweh, Leiter der Kulturambulanz. Das Haus 5 ist ein altes Gebäude der Forensik und dient als Ausstellungsort und Veranstaltungshaus. „Das dortige Konzept ist vergleichbar mit unserem. So verbindet uns ein gemeinsamer Auftrag. Wir sind in ständigem Austausch.“

Die Ausstellungsstruktur ähnelt kleinen Inseln. „Jede Autorin, jeder Autor hat eine Insel. Pro Wand gibt es eine Geschichte, die die Besucher:innen entdecken können“, beschreibt Sachweh den Aufbau. Aber die Besucher:innen können die Graphic Novel auch als Buch in die Hand nehmen, um darin zu lesen. „Es sind Graphic Novels, die sich mit psychischen Gesundheiten oder Krankheiten beschäftigen“, erklärt Sachweh. „Es sind sehr persönliche Geschichten und Einblicke in die ureigenen Seelenräume der Autor:innen.“ Dabei stehe bewusst nicht auf der Tafel, ob die Autor:innen erkrankt seien. „Wir als Museum wollen darauf nicht den Stempel drücken.“

Die gezeigten Werke sind höchst eigenständig – jedes davon in einem ganz eigenen, besonderen Stil. Zum Beispiel beschreibt Stefan Haller in „Schattenmutter“ anhand von Tagebuchaufzeichnungen die Geschichte seiner psychisch kranken Mutter. Der Künstler zeigt auf, wie die Familie damit umgeht oder eben nicht. Zudem skizziert er anschaulich den Besuch bei einem wenig empathischen Arzt, der seiner Mutter ohne nähere Untersuchung ein starkes, sedierendes Mittel gegen Psychosen und Schizophrenie verschrieben hat.

Empathielos hat die Ärztin von Tina Brenneisen gehandelt, in dem sie ihrer Patientin in nüchternen Worten mitteilte, dass ihr ungeborenes Kind tot sei. Wie lebt es sich mit der Trauer und der Trauerbewältigung? Und wie geht das Paar mit der Trauer um, wie die Partnerin oder der Partner? Das beschreibt Brenneisen in ihrem Werk.

Autobiografisch ist auch die Graphic Novel von Regina Hofer und ihrem Ehemann Leopold Maurer. In „F.22.0“ beschreibt Regina Hofer ihre eigene Krankheit aus der Innenansicht, während ihr Mann Leopold Maurer die Außenansicht entgegensetzt. Nach der ICD-Klassifikation handelt es sich um den Bereich der wahnhaften Störung. Reginas älterer Bruder erzählt die fiktive Geschichte der 14-jährigen Jessica. Sie rutscht durch Social Media und Werbeversprechen in die Magersucht. Die Graphic Novel zeigt auch, dass ebenfalls familiäre Probleme und Verletzungen der Seele ihren wesentlichen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Überdies zeigt sie die Hilflosigkeit der Mitmenschen. „Die Frage ist auch, wie wir mit Menschen umgehen“, erläutert Jannik Sachweh dazu. „Antworten können wir aber nicht alle liefern, doch wir können dazu beitragen, ins Gespräch zu kommen.“

Neben Beispielen an der Wand und den Büchern auf kleinen Podesten gibt es auch Sitzgelegenheiten, um sich in die Werke zu vertiefen. Darüber hinaus ist es möglich, an einem Tisch Platz zu nehmen und die eigenen Gedanken oder persönlichen Erfahrungen mit psychischer Erkrankung aufzuzeichnen. Die Besucher:innen können dann ihre eigenen kleinen Arbeiten an eine Wand heften und damit Teil der Ausstellung werden.

Jannik Sachweh sagt zum Konzept: „Angst und Unsicherheit ziehen sich durch die Ausstellung. Das Ziel der Ausstellung ist, hinter die Angst zu schauen. Wir sind kein Museum der einfachen Themen. Nach dem Besuch ist es möglich ins benachbarte Café Sophie zu gehen, um das Gesehene sacken zu lassen.“ Die Ausstellung sei dazu gedacht sie mehrmals zu besuchen, um sich mit einem oder mehreren Werken zu beschäftigen. „Und sie ist auch ein Angebot für Patient:innen. Sie sind ja meist länger als einen Tag hier. Dann können sie sich auch in einem anderen Rahmen mit dem Thema auseinandersetzen.“

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 30. August 2026 im Krankenhaus-Museum, Züricher Straße 40, zu sehen. Sie ist nur über eine Treppe erreichbar und deshalb nicht barrierefrei. Begleitend wird es auch drei Comic-Workshops geben. Informationen darüber gibt es auf der Website www.kulturambulanz.de.

Zu sehen ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten von Mi – So. Von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 € (ermäßigt 2 €). Die Anfahrt des Krankenhaus-Museums ist möglich über den Autoparkplatz an der Poggenburg oder Klinikum Bremen-Ost oder mit den Buslinien 37 (Klinikum Bremen-Ost) sowie 34 (Poggenburg). Das Krankenhaus-Museum befindet sich auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost.

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