Autor:in: Sarah Hulmes

The Music lives

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Wir schreiben das Jahr 1997, Ende Mai. Während Madeleine Albright die erste weibliche Außenministerin der USA wurde, Dolly das Klonschaf auf die Welt kam und Kofi Annan neuer Generalsekretär der UNO wurde, saß in einem friedlichen Stadtteil von Bremen ein neunjähriges Mädchen und blätterte wie jede Woche nach der Schule in einem Jugendmagazin herum, während ihre Mutter Essen kochte. Auf der letzten Seite des besagten Magazins wurden immer Newcomer der Musikbranche angezeigt und in diesem Fall ging es um 3 Brüder aus dem US-Bundesstaat Oklahoma. Noch bevor sie den kleinen Artikel neben dem Bild lesen konnte, fiel ihr Blick auf den mittleren der Brüder und ihr entwich ein quietschendes: „Oh mein Gott, ist der Süß!“. Der Name der Band war Hanson, welcher auch der Nachname der Brüder war. Das Musikvideo zu ihrer ersten Single MMMbop lief bald rauf und runter und das erste Album Middle Of Nowhere (dt: Mitten im Nirgendwo); wie auch der Staat Oklahoma oft bezeichnet wird, kam bald an in die Läden. Die Zeitungen waren voll mit Artikeln und Postern. Innerhalb von ein paar Wochen war ihr ganzes Zimmer mit Postern zu tapeziert und sie sammelte jeden kleinen Schnipsel über die Band zusammen. Alles wurde aufgenommen und sie bekam zu Weihnachten das offizielle Video, welches zeigte, wie die Jungs musikalisch immer größer wurden und um die Welt reisten. Im Jahr 1998 gingen sie dann auf Tour und das Mädchen bettelte darum, dass sie nach Köln aufs Konzert durfte. Aber ihre Mutter hielt sie mit 10 Jahren für zu jung. Langsam wurde es ruhiger um die Band und das kleine Mädchen fand auch an anderen Musikern und Musikrichtungen Gefallen, bis zum Jahr 2000, als sie das gleiche Magazin wieder aufschlug und ihre Lieblinge wiedersah, die nun natürlich ein paar Jahre älter waren und ein Comeback versuchen wollten. Die Musik war rockiger als zuvor, was ihr gut gefiel.

Danach wurde es aber langsam wieder ruhig um die Band und für viele, die später andere Interessen verfolgen, wäre hier wahrscheinlich Schluss. Aber nicht so schnell, ich bin nämlich das kleine Mädchen von damals!

2004, als ich grade 16 Jahre alt geworden war, kam das dritte Album raus, welches das erste Mal unter dem eigenen Label der Band veröffentlicht wurde, nachdem sie mit dem alten Label Streit hatten und um ihre selbstgeschriebenen Songs kämpfen mussten. Ich hatte sonst nur durchs Internet erfahren, was die Jungs in den USA machten. Als rauskam, dass die erste Singleauskopplung des Albums bei einem Musiksender vorgestellt wurde, war mir klar, dass ich dort hin musste! Und tatsächlich ließ meine Mutter mich dieses Mal sogar fahren. Ein paar Bekannte aus dem Internet und ich hatten Glück, denn es waren noch Plätze in der Show frei und wir fälschten sogar Unterschriften unserer Eltern, um reinzukommen. Und das hatte sich gelohnt! Ich war den Menschen nah, die mich schon als Kind meine

Sorgen vergessen ließen und mich zum Träumen einluden und jetzt wo ich vor Ihnen stand, fühlte ich mich verbundener denn je. Und im wahren Leben sah mein favorisierter Bruder noch viel besser aus als auf Postern oder im Fernsehen! Im gleichen Jahr ging ich das erste Mal auf ein Konzert der Jungs und alle Dämme brachen bei einem bestimmten Song. Ich lernte Gleichgesinnte kennen und obwohl sich schon damals eine Depression anschlich, war ich auf den Konzerten einfach nur glücklich. Unter Menschen sein, die mit der gleichen Musik verbunden waren und mit einem in der Menge sangen und auch einfach nur die Fahrt in verschiedene Städte und später auch andere Länder, tat mir einfach so verdammt gut. Nach dem vierten Studioalbum war kein Konzert in Deutschland geplant, also beschloss ich mit meinem Großvater nach London zu fliegen. Wir flogen hin, ich war beim Konzert. Wir übernachteten auf dem Flughafen und flogen in aller Herrgottsfrühe wieder nach Hause. Taxifahrer zeigten uns einen Vogel, als mein Opa erzählte, was wir in London machten, aber ich war glücklich und das machte wiederum meinen Opa glücklich. Und er war auch immer der erste, der mir ein Ticket oder den Zug zahlte, wenn die Jungs wieder im Land waren.

Ich flog für Konzerte nach Norwegen, in die Niederlande, andere Teile von Großbritannien und in die Schweiz. Oft trafen wir die Jungs noch am Tour Bus, machten Fotos oder redeten mit ihnen. Während der Pandemie waren nur Streamingkonzerte möglich und auch diese lenkten mich ab. Bei der nächsten Tour hatte ich ein Meet and Greet gewonnen. Sofort als ich rein kam, sagte der süße Junge von damals, der inzwischen zu einem hübschen Mann geworden war, dass wir uns ja auch schon so viele Jahre kennen und er sich freut, dass sie wieder auf Tour gehen konnten um uns alle zu sehen. Ich erzählte ihm, dass mir die Streamingkonzerte so viel gegeben hatten und mir auch halfen mich von einem familiären Verlust abzulenken und ich froh bin, dass sie seit fast 25 Jahren Teil meines Lebens sind. Er nahm mich in den Arm und er und seine Brüder sagten, dass auch sie froh sind, ein Teil davon zu sein. Viele werden sagen, dass es wahrscheinlich nur eine Masche ist um Fans glücklich zu machen, aber ich glaube wirklich, dass sie es ernst meinten. Immerhin ist der Hype nicht mehr wie in den 90ern und trotzdem ist ein Kern von Fans geblieben, die immer wieder kommen und immer hinter der Band stehen. Das Glück, was ich beim Hören der Musik fühle, ist unbeschreiblich. Sie weckt Erinnerungen an meine Kindheit, an die Konzerte und auch an die Menschen, die ich auf dem Weg getroffen habe. Und natürlich gibt es auch Songs, die mich berühren und auch traurig machen, aber ich finde genau das ist das Schöne an Musik, denn sie weckt verschiedene Emotionen und verbindet Menschen. Und ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch etwas findet, für das er brennt und das dafür sorgt, dass man aus seiner Einsamkeit herauskommt und mit Anderen feiert! Seien es Musikkünstler, ein Fußballverein, Bücher oder sonstige Interessen. Das Gefühl nicht allein zu sein, hilft mir ungemein, wenn ich mit anderen Fans austausche und ich bin glücklich, wenn ich die Leute nach Jahren wieder auf einem Konzert treffe. Auch das einfach austauschen über das Internet oder telefonieren, bevor ein Steamingkonzert anfängt, ist so eine große Hilfe, denn man redet ja auch nicht nur über das Konzert oder die Band selbst, sondern auch darum, wie es einem selbst geht und was im Privatleben so passiert. Wenn man Leute mit gleichen Leiden findet, kann man sich auch darüber austauschen und sich auch so mal treffen, um raus zukommen. Natürlich gibt es auch andere Künstler und Musiker, die ich sehr schätze, aber Hanson werden wohl immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Ich denke das gibt einen guten Einblick darin, wer ich eigentlich bin und für was ich brenne.


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