Autor:in: Volker Althoff

Manic Monday

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Filmische Reise durch über hundert Jahre Psychiatrie- und Kulturgeschichte

„Manic Monday“

ab 10.November im City 46 und KulturAmbulanz

„Manic Monday“ startet ab dem 10. November 2025 im Rhythmus von ein bis zwei Wochen immer montags – abwechselnd im City 46 und der KulturAmbulanz (Haus im Park) statt. Dabei handelt es sich um eine Filmreihe, die zu einer filmischen Reise durch über hundert Jahre Psychiatrie- und Kulturgeschichte einlädt. An jedem dieser Abende ist ein prägender Film pro Jahrzehnt zu sehen: vom Stummfilm der Weimarer Republik bis zu zeitgenössischen Spiel- und Dokumentarfilmen. Kritische Einführungen und Publikumsgespräche mit geladenen Gäst:innen aus den Bereichen Psychotherapie, Filmgeschichte, Medizinethik und politischem Aktivismus aus Bremen und ganz Deutschland umrahmen die Filmvorführungen. „Die Idee entstand, während ich meine Doktorarbeit über das Verhältnis zwischen psychischer Erkrankung und Filmästhetik an der Uni Bremen schrieb“, erklärt Tobias Dietrich, Lektor für den Bereich Filmwissenschaft und Filmvermittlung am Institut Kunstwissenschaft – Filmwissenschaft – Kunstpädagogik an der Universität Bremen.

Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Wie haben Filme unser Bild von psychiatrischer Behandlung und psychischer Erkrankung geprägt und welche Kämpfe haben Psychiatrienutzer:innen früher geführt und welche heute? „Es soll ein Gesprächsraum geöffnet und zu einer offenen Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit eingeladen werden – niedrigschwellig, kritisch und nah am Menschen“, beschreibt Dietrich das Konzept.

Die Kooperation mit dem City 46 bestehe schon lange. „Während die KulturAmbulanz mit dem Krankenhaus-Museum der geeignete Ort für die Aufarbeitung der Bremer Psychiatrie- Geschichte ist, ist das Kommunalkino City 46 mit seiner Ausrichtung auf nicht-kommerzielle und kulturelle Bildungsveranstaltungen sowie seiner technischen Ausstattung der ideale Ort, um historische und neue Filme zu den besten Bedingungen zu zeigen“, sagt Tobias Dietrich.

Mit der Filmreihe soll das gesellschaftliche Bewusstsein für psychische Gesundheitsprobleme im Kontext ihrer historischen Rahmenbedingungen gestärkt werden. „Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen sind oft auch Resultat der medialen Darstellung, weshalb die Filmreihe einen Beitrag dazu leisten soll, sie mithilfe von Gesprächsformaten abzubauen, ihren Ursprung zu ergründen und die filmische Darstellung zu kontextualisieren“, so Dietrich. Die Filmgeschichte diene dabei zum einen als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und zum anderen als niedrigschwelliger und sicherer Einstieg in eine oft noch tabuisierte Thematik. „Ausgehend von der gemeinsamen Filmschau sollen Besucher:innen zum Austausch und zur Teilhabe eingeladen werden.“

In der Psychiatrie kulminierten seit jeher gesellschaftliche und politische Spannungen und Konflikte. Vor welchen Problemen und Ängsten standen Psychiatrie-Nutzer:innen und -Angestellte früher? Unterscheiden sie sich im Vergleich zu heutigen Herausforderungen und wenn ja, worin? „Eine Rückschau auf den Verlauf der Psychiatrie- Geschichte lädt einerseits dazu ein zu verstehen, wie weit sich die psychiatrische Behandlung schon verbessert hat. Andererseits mahnt sie aber auch aktuelle Missverhältnisse oder blinde Flecken an, wie zum Beispiel die komplizierte Lage gesetzlich geregelter Selbstbestimmung oder die bislang unzureichende Pflege queerer Menschen“, formuliert Tobias Dietrich die Botschaft, die von der Filmreihe ausgehen soll.

„Die Zuschauer:innen sollen verstehen, dass man nicht die erste Person ist, sondern dass es vorher auch schon Menschen gab, die bestimmte Kämpfe führten – sei es mit der eigenen Psyche oder mit dem Machtgefälle im psychiatrischen System. Das kann dabei helfen, die eigene Situation neu einzuordnen.“ Die Bilder, die von der Psychiatrie entworfen werden, haben viel öfter was mit der politischen Landschaft zu tun, in der sie entstehen, als mit den persönlichen Unzulänglichkeiten des Individuums. Und diese politische Landschaft habe sich in Deutschland in den letzten 110 Jahren ständig verändert und müsse auch mit berücksichtigt werden. „Die Filmreihe zeigt Filme, die selten im Kino oder im Online-Stream zu sehen sind und bietet auch den Kontakt zu Anlaufstellen und hilfreichen Initiativen“, erklärt Tobias Dietrich.

Jede Veranstaltung widmet sich einem Jahrzehnt – begonnen in den 1920er-Jahren, der Zeit des Nationalsozialismus und dann in 10-Jahres-Schritten von 1945-1955, von 1955-1965, von 1965-1975, dem Jahr der Psychiatrie-Enquete. Die Filmreihe dauert bis zum 2. März 2026. „Dann werden wir auf die künftigen Herausforderungen der Psychiatrie in den nächsten zehn Jahren hinausblicken“, so Dietrich.

Die Filmreihe richtet sich zum einen an Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung und ihre Angehörigen, zum anderen an das klinische Personal, das dazu eingeladen ist, die eigene Tätigkeit aus einer historischen Perspektive zu reflektieren. Willkommen sind darüber hinaus alle, die sich für deutsche Film- und Psychiatriegeschichte interessieren. Es gibt ein solidarisches Preissystem: Je nachdem, wie viel Einkommen man hat, kann man selbst entscheiden, ob man 3,7 oder 12 Euro pro Ticket zahlen möchte. Beginn ist immer um 18 Uhr und für die Publikumsgespräche sind 20 bis 30 Minuten vorgesehen.

Weitere Informationen unter https://www.city46.de/programm/november-2025/manic-monday

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