Autor:in: Cornelia Burmeister

Der Balkon

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Als Maler bekommst du mitunter mehr mit, als dir lieb ist. Beim Arbeiten auf dem Gerüst hörst und siehst du Dinge, die eigentlich nicht wichtig für dich sind. Du bekommst mitunter mehr mit, als du möchtest.

Das ist Alltag für uns Maler und auch für andere Gewerke, die auf einem Gerüst arbeiten.

Da gibt es aber auch Fälle, die besonders in Erinnerung bleiben.

So einen Fall habe ich erlebt und möchte nun davon berichten.

Wir hatten einen achtstöckigen Wohnblock in Arbeit, waren schon lange vor Ort und wurden nun so langsam damit fertig. Wir hatten gerade die Anstriche fertig. Meist gibt es zu diesem Zeitpunkt immer kleine Beschwerden. Diese wurden korrigiert und damit als erledigt betrachtet.

Der Ton auf dem Bau ist rau. So fielen bei den Kollegen Sprüche, die meiner Meinung nach überflüssig sind.

Dass die Mieter wirklich blöde sind oder die haben sie nicht alle, sind noch die harmlosen Varianten.

Dagegen machen konnte ich nichts. Allein weil ich anderer Meinung war, machten sie mich nun zum Buhmann.

So kam es, dass ich mich um die Beschwerde eines älteren Ehepaares kümmern sollte. Allein nur deswegen, weil sich die anderen das nicht trauten.Das gaben sie aber nicht zu.

Die Innenbrüstung vom Balkon sei nicht ok, war die Beschwerde.

Ich hatte sofort ein komisches Bauchgefühl und das zu Recht, wie sich ein wenig später zeigte.

Nun vor Ort sah ich mir die Brüstung an. Aber die war ok, naja ob es unbedingt rosa sein musste, sei mal dahingestellt. Die Farbtöne wurden uns verbindlich vorgeschrieben.

Dann kam der Mieter dazu und fragte freundlich: „Darf ich Ihnen etwas erzählen?“ „Aber ja, selbstverständlich“ antwortete ich.

Der Mann holte einmal tief Luft und fing an zu erzählen.

„Wissen sie meine Frau war im KZ und die Sträflingskleidung hat genau diesen Farbton“ sagte er und zeigte auf die Brüstung.

„OH Gott, das geht ja gar nicht“ war mein Kommentar dazu.

„Hm. Ich hab da eine Idee. Ich habe dieselbe Farbe noch einmal im Container, nur in Hellgrau, wie wäre es damit?“

„Oh, wenn das wirklich ginge, das wäre aber schön“, bemerkte der Mann.

„Ja selbstverständlich geht das, ich hole jetzt die Farbe und los geht’s.“

Gesagt getan, und als der Mann das Ergebnis sah, war er sehr dankbar dafür.

Er war so dankbar, dass ich zunächst nicht wusste, wie ich darauf reagieren sollte.

Wie mir etwas später zu Ohren kam, haben sich auch die Nachbarn das Ergebnis angesehen und durchgesetzt, dass alle Brüstungen um gestrichen wurden. Es soll eine Mieterin darunter gegeben haben, die gute Beziehungen zum Kunden hatte.

Bei meinen Kollegen waren diese alten Leute noch immer blöd.

Ich kann ihre Reaktion bis heute nicht verstehen.

Gruß, Conny

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