Endlich!

Nach sehr vielen Jahren der Planung eröffnete im März 2017 das neue Kaufhaus mehrerer sozialer Träger in Hemelingen seine Türen.

Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen hatten wir nach der offiziellen Eröffnung die Gelegenheit, mit dem Bereichsleiter des ASB, Herrn von Schwarzkopf, ein Gespräch zu führen und
uns selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Es brauchte einen langen Atem, erzählte er uns, bis das Projekt, so wie es jetzt ist, entstehen konnte. Im Jahr 2007 gab es die ersten Pläne und man hoffte, dass bis zum Jahr 2009 alles umgesetzt würde, was man geplant und sich vorgenommen hatte. Bei solch einem Vorhaben braucht es viel Durchhaltevermögen, weil Fördermittel beantragt, geprüft und bewilligt werden mussten. Zudem folgten Unstimmigkeiten mit den Investoren, die das Vorhaben zusätzlich um Jahre verzögerten.

Jetzt, wo das Kaufhaus seine Türen geöffnet hat, ist aber noch lange nicht Schluss. Es wird weiterentwickelt, und viele Ideen für neue Konzepte liegen schon auf dem Tisch. Aus unserem Gespräch konnten wir entnehmen, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt.

Zu Beginn hieß das neue Kaufhaus Hemelingen noch Sozialkaufhaus. Auf das Wort “sozial” wurde dann doch verzichtet, um zu verdeutlichen, dass es keine besondere Befugnis benötigt, hier einkaufen gehen zu können.

Es wurde Wert darauf gelegt, das Erscheinungsbild des alten Traditionsgeschäftes “Eisen-Werner” zu erhalten, indem man unter anderem die Inneneinrichtung erhielt und auch das neue Café, welches nun Teil des Kaufhauses ist, nach dem ehemaligen Vorbesitzer benannte, um an die Geschichte des Geschäftes, das viele Jahrzehnte das Stadtbild prägte, zu erinnern.

Zudem ist es ein Gewinn für den Ort, da so Leerstand der Räumlichkeiten vermieden werden konnte und die dort beschäftigten Menschen wieder eine Wertschätzung durch ihre Tätigkeit erfahren. Diese zusätzlichen Beschäftigungsplätze sind vor allem für Menschen, die aus einer längeren Arbeitslosigkeit kommen oder teilweise an Erkrankungen leiden, so dass eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt nicht immer möglich ist. Aber sie können und möchten arbeiten. Sie haben ihre Stärken, die sie auch nutzen möchten, aber manchmal braucht es etwas Hilfe und Unterstützung und eine individuelle Lösung.

Das Sortiment des Kaufhauses setzt sich hauptsächlich aus Spenden zusammen. Es reicht von Kleidung über Möbel bis hin zu DVDs, aber auch selbsthergestellte Artikel aus der Textilwerkstatt der Villa Wisch und der Holzwerkstatt Paljano liegen dort aus. Auf kreativ dekorierten Regalen und dem traditionellen Verkaufstresen, der eigens dafür erhalten blieb, werden diese auf einer Verkaufsfläche von 450 m² angeboten. Nicht nur Menschen aus Hemelingen können im neuen Kaufhaus einkaufen oder in dessen Café verweilen; man hofft zusätzlich auf Besucher, die von außerhalb kommen. So wundert es auch nicht, dass schon Ideen für Veranstaltungen im Kaufhaus Hemelingen bestehen. In gemütlicher Atmosphäre bieten sich Musik oder Theateraufführungen auf der großen Verkaufsfläche dafür geradezu an.
Auch Bremens Finanzsenatorin war schon zu Gast und nutzte die Möglichkeit, um aus einem Kinderbuch vorzulesen.

Aber das neue Kaufhaus möchte mehr. Es möchte dazu beitragen, Teil des Stadtbildes Hemelingen zu sein, dieses zu erhalten und zu beleben und Menschen aus den unterschiedlichsten Stadtteilen zusammenzubringen. Es soll Inklusion gelebt werden. Jeder kann hier seinen Platz finden und ist willkommen, das wurde in unserem Gespräch mit Herrn v. Schwarzkopf immer wieder verdeutlicht.

Das neue Kaufhaus Hemelingen ist ein Kooperationsprojekt zwischen der ProJob Bremen gGmbH, der Gröpelinger Recycling Initiative e.V. (GRI) und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Gesellschaft für Seelische Gesundheit. Das gemeinsame Ziel ist die Ermöglichung der Wiedereingliederung von Erwerbslosen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ins Berufsleben.