Autor:in: anonym

Entrümpeln für die Seele

 

Zu viel Zeug von früher, das mich belastet und zurückhält. Es ist an der Zeit, sich von einigen Sachen zu trennen.

Aber erst mal muss ein Plan her, wie vorgegangen werden soll. Jeden Tag nehme ich mir ein Regal vor. Im Wohnzimmer sind es immerhin vier Stück, zwei davon zum Bersten gefüllt. Hauptsächlich Bücher, aber auch Andenken, die nie entsorgt worden sind, weil die Schuldgefühle zu groß waren. Schuldgefühle, das ist das Hauptthema bei der Aktion und der Versuch, mich von ihnen zu befreien.

Die Schuldgefühle überkommen mich beim Wegschmeißen von fünf Jahre alten Geburtstagskarten, Aussortieren von sehr mäßigen Büchern und fünfzehn Jahre alten Kleidungsstücken. Fünfzehn Jahre, das ist ein halbes Leben. In der Zeit haben sich mein Körper, Geschmack und Lebensumstände schon fünfmal geändert. Warum habe ich noch Schuldgefühle? Schuldgefühle und der Satz meiner Mutter: “Das kann man noch zuhause tragen!“, oder „Das ist gute Qualität – war mal teuer!“. Diese Hintergedanken haben dazu geführt, dass mein Kleiderschrank zu 70% aus Sachen für zuhause besteht.

So geht es weiter. Bettwäsche, Handtücher, Büroartikel, bis nur noch das da ist, was ich mag und nutze. Mit weniger Zeug braucht man auch weniger Aufbewahrungsmöglichkeiten, sprich Möbel, also werden diese aus der Wohnung geräumt. Erst mal in den Keller. Vielleicht kennt man auf der Arbeit jemanden, der sie gebrauchen kann. Meine Wohnung würde wohl in den Augen Vieler jetzt leer aussehen, aber mir gefällt es.
Wer nun denkt, ´Da muss man halt nicht so viel Zeug kaufen. Was für eine Geldverschwendung´, der irrt. Mit Ausnahme der Bücher habe ich die meisten Sachen, die ich weggebe, von meinen Eltern bekommen. Es stellt sich die Frage, warum habe ich die Sachen angenommen, obwohl sie mir nicht mal gefallen und manche nie benutzt worden sind? Schuldgefühle und die Angst vor Diskussionen, warum ich etwas nicht nehmen will, die in Streit enden und immer wieder aufgewärmt werden. Dieser Ablauf gibt mir das Gefühl, nicht über mein Leben selbst zu bestimmen.
Das muss sich ändern, wenn ich mein Leben leben will.