Autor:in: Heike Oldenburg

Hoffen obwohl die Welt schmerzt

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Die Zukunft ist kein Ort, den man besuchen kann, um ihn zu erforschen.“ (S. 32)1

Dieser Sachcomic ist aus einer Masterarbeit heraus geschrieben bzw. gezeichnet. Der Comic stellt 15 Interviews mit Aktivist*innen in verschiedenen weltweiten Projekten dar zu der Frage, wie bzw. ob die Welt verändert werden kann. Der Autorin Lea Ebeling war auch wichtig: Wie kann die Welt geändert werden, wenn so viele Menschen sich ihre Hoffnung nehmen lassen ? Kann man trotz „Geld verdienen“ und „Spaß kaufen“ können doch „müde“ (alle S. 115), ja, depressiv sein, fragt sich verunsichert eine am Boden liegende Person?

Ebeling studierte europäische Ethnologie und Asien-/Afrikawissenschaften. Die Erkenntnisse aus ihrer Masterarbeit wollte sie nicht zwischen Buchdeckeln in der Universitätsbibliothek versauern lassen. Die Inhalte der Interviews stellte Ebeling in Form von Bildern dar. So konnten die Interviewten sehen, wie Ebeling sie verstanden hatte. Es wurde deutlich, ob deckungsgleich war, was die Aktivist*innen zum Ausdruck bringen wollten und was sie verstanden hatte.

Ebeling möchte erreichen, dass wieder mehr Menschen sich trauen, hoffnungsvoll Zukunftsvorstellungen zu entwickeln, auf die es sich lohnt hinzuarbeiten. Das Hoffen an sich soll Kraft zum Widerstand geben. „Damit Hoffnung eine politische Kraft wird, darf sie kein Horizont sein, der zufällig da ist.“ (S. 199). Wir müssen uns die Zukunft vorstellen (können), bevor wir sie wahrmachen können.

Der Sachcomic ist ganz wundervoll gezeichnet. Unter dem Begriff „Utopie“ wird die Vorstellung von der perfekten Welt als Paradies mit zwei kuschelnden Frauen dargestellt (S. 78). Nur zusammen kann man kuscheln, niemand könne „sich selbst kuscheln.“ (S. 142) Die Vorstellung von der Charlottenburger Brücke im Jahre 2030 besticht mit sehr viel Grün in der Umgebung, fast wie im Dschungel.

Der Ansatz ist gut, aber ich finde das Buch in einem Stück anstrengend und mühsam zu lesen. Es gibt viele Fremdwörter. Unter fast jedem Bild ist eine Fußnote zu den wertvollen Zitaten zu finden. Das Buch war als „niedrigschwellig“ (S. 214) für alle Menschen lesbar geplant, aber das Ziel wurde in meinen Augen nicht erreicht. Das Buch ist jedoch aufbauend genug, um es als eine Art Lexikon im Schrank stehen zu haben. Das eine oder das andere Projekt kann man immer mal wieder neu lesen und in den eigenen Alltag aufnehmen. Denn in diesem Buch sind beispielhaft „bessere Zukünfte“ gesammelt. Damit wird gezeigt, „dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen“ (S. 32).

Heike Oldenburg, Juni 2026

Quelle:

Lea Ebeling, Hoffen, wenn die Welt schmerzt, Ein ethnografischer Comic über dekoloniale und antikapitalistische Zukünfte, Münster 2026

1Seitenzahlen aus dem besprochenen Buch

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