Autor:in: Volker Althoff

Spaziergang, der Mut macht

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Im Bürgerpark eine Runde drehen, dabei die Natur auf sich wirken lassen, frische Luft einatmen und mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen – dazu verabreden sich jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat durchschnittlich 10 bis 15 Teilnehmer:innen. Sie gehen zusammen circa eine Stunde spazieren und unterhalten sich über ihre psychische Gesundheit und anderen Themen, die im Zusammenhang mit ihren seelischen Erkrankungen – beispielsweise Depression – auftreten. Die Gruppe nennt sich „Mut-Gruppe“ und ist aus der deutschlandweiten „Mut-Tour“, die es seit 2012 gibt, hervorgegangen. In den Sommermonaten legen von Depression oder anderen psychischen Erkrankungen betroffene Menschen und Nicht-Betroffene in verschiedenen Kleingruppen einzelne Etappen gemeinsam mit dem Rad oder zu Fuß zurück oder wandern mit Pferden und erleben dabei Natur und Struktur.

„So wurde der Wunsch laut, auch in Bremen eine ‚Mut-Gruppe‘ zu gründen und damit ein niedrigschwelliges Angebot entstehen zu lassen“, beschreibt Andrea Roosch. Sie und ein weiterer „Mut-Tour“-Teilnehmer leiten die „Mut-Gruppe“ in Bremen und haben die Selbsthilfegruppe unter dem Dach des Vereins „Mut fördern“ im September 2019 gegründet. „Es gibt Leute, die kommen nur einmal, andere sind von Anfang an dabei“, erzählt Roosch. „Jede:r darf an diesem niedrigschwelligen, offenen Angebot mitmachen, egal, ob sie oder er betroffen ist oder Angehörige:r. Wir möchten Leute motivieren, rauszugehen. Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen isolieren sich oft und brauchen daher einen festen Termin, um spazieren zu gehen und wieder mit anderen in Gemeinschaft zu kommen.“ „Es ist kein Stuhlkreis im herkömmlichen Sinn, man kann einfach nur mitgehen, zuhören und muss nicht reden. Denn für einige Teilnehmer:innen ist es schwierig, in einer geschlossenen Gruppe,  beispielsweise in einem Stuhlkreis,  wo man sich genötigt fühlen könnte, etwas zu sagen“, betont Roosch. Die „Mut-Gruppe“ ist für Jung und Alt gedacht und kostenfrei. Der Name leitet sich aus dem Gedanken ab, dass Mut dazugehört, das erste Mal zu kommen. „Wir wollen auch ermutigen, rauszukommen aus seinem geschützten, bequemen Umfeld und einfach etwas Neues auszuprobieren. Gerade bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ist es wichtig, wieder über diese Grenze zu gehen. Außerdem tut es gut, draußen gemeinsam in Bewegung zu sein“, sagt Roosch.

Eine Teilnehmerin, die mit spaziert, ist Jessica Sass-Dieckmann aus Walle. Die 54-Jährige hat über einen Zeitungsartikel von der „Mut-Gruppe“ erfahren. Das vierte Mal geht sie mit und freut sich über die Bewegung, die frische Luft und die Sonne, wenn sie denn scheint. „Während des Spaziergangs unterhalten wir uns beispielsweise über unsere Lebensläufe oder Erfahrungen mit unseren Erkrankungen. Es sind gute Gespräche und das Spazierengehen tut einfach gut“, beschreibt Sass-Dieckmann.

Seit November 2021 ist Markus Fiedler (39) aus Gröpelingen in der „Mut-Gruppe“ Teilnehmer. „Die Gruppe ist für mich die Gelegenheit und Anlass, regelmäßig spazieren zu gehen und dabei mit Gleichgesinnten und Betroffenen ins Gespräch und in den Austausch zu kommen. Wir unterhalten uns über nichts Bestimmtes; es geht viel um die Erkrankung“, erzählt Fiedler. Er unterhält sich mit verschiedenen Menschen und somit auch über verschiedene Themen. Ihm tue die Gruppe gut, weil es ein unkompliziertes Angebot und ungezwungen sei.

Zum vierten Mal ist auch Hans-Georg Zwillus aus dem Viertel dabei. Dem 70-Jährigen gefällt die Gruppe sehr gut: „Ich finde es interessant, mich mit Leuten auszutauschen, die ähnliche Probleme haben wie ich selber. Es ist sehr schön, dass man wirklich darüber reden kann, ohne auf Unverständnis zu stoßen.“ Er selber ist depressiv und gerne draußen an der frischen Luft.

Den Bürgerpark hat Andrea Roosch für den Spaziergang als Grünanlage gewählt, weil er am zentralsten in Bremen gelegen ist.  Zudem lasse er sich gut von vielen Seiten mit dem ÖPNV oder mit der Deutschen Bahn erreichen, so Roosch. Die Teilnehmer:innen kämen aus ganz Bremen und umzu. „So waren auch schon Teilnehmer:innen aus Oldenburg und Worpswede dabei, mit Auto oder Bahn.“

Die „Mut-Gruppe“ Bremen lädt jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat zu einem offenen Spaziergang ein. Treffpunkt ist in der Regel um 17 Uhr am Findorffer Torfkanal, Bushaltestelle Findorffallee. Wer Fragen zu der Veranstaltung hat, kann eine E-Mail an bremen@mut-foerdern.de schreiben. Weitere Informationen gibt es auch auf der Website www.mut-foerdern.de.

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