Autor:in: Ingo Bathmann

Der Pro-Shop

 

In dem Schaufenster eines Geschäftes in der Hemelinger Bahnhofstraße, zwischen der Deutschen Bank und dem Bahnhof, lächelt einem, eine gut gekleidete Dame an. Nein .. keine echte Frau, eine Schaufensterpuppe!
Pro-Shop aussen
Daneben stehen verschiedene Dinge des Alltags wie Schuhe oder dekoratives Geschirr. Mal ein glänzender Besteckkasten oder ein altes Schachbrett. Es gehört zu einem Second-Hand-Laden, dem Pro-Shop, der seit März 2006 zu Flohmarktpreisen Dinge des täglichen Lebens zum Kauf anbietet. Er ist einer von vielen Sozialläden in Deutschland, die alle Artikel aus Sachspenden anbieten.
Die Mitarbeiterinnen des Geschäftes arbeiten dort z.B. nach Arbeitslosigkeit, nach oder während Erziehungszeiten, aus suchtbedingten Gründen, durch psychische Einschränkung oder wegen migrationsbedingter Eingliederungsschwierigkeiten. Sie prüfen, reinigen und sortieren die dort abgegebenen Sachen, bevor sie im Geschäft für Jedermann zu kaufen sind. Während des Geschäftsbetriebes habe ich immer 3 Verkäuferinnen im Shop gesehen. Somit findet man immer jemanden für Fragen.
Im Sortiment befinden sich gut erhaltene CDs, DVDs, Computerspiele, Schallplatten sowie Bücher in den Regalen. Daneben auch reichlich an gebrauchter Herren- und Damenbekleidung bis hin zu Handtaschen und Schuhen. Manchmal sogar Neuware aus Restspenden ortsansässiger Händler. Jeder, der sich von Kleidung, Medien, Haushaltsartikeln, Spielzeug oder Schmuck trennen möchte, kann diese an den Shop spenden. Eine Kollegin von mir hat dort schon zwei- bis dreimal gebrauchte Kleidung abgegeben, über die man sich dort sehr gefreut hat und die dankbar angenommen wurde. Sollte ein Teil der Kleidung dort nicht mehr verwendbar sein, wird man gebeten, diese für die weitere Nutzung in die örtlichen Kleidercontainer zu werfen. Durch die sinnvolle Weiterverwendung gebrauchter Sachen ist dem ökologischen Gedanken genüge getan.
Auch wer Kindersachen wie Kleidung und Spielzeug sucht, wird dort fündig.
Abgerundet wird das Angebot durch Geschirr und Haushaltsartikel (praktisch und/oder dekorativ) sowie etwas Schmuck.
Mit diesem Konzept haben viele Frauen wieder eine Tagesstruktur und mehr Mut für sich gefunden, den künftigen Alltag oder eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zu meistern. Laut Herrn Mades, Leiter des Pro-Shops, waren zum damaligen Start des Projektes nur Frauen anwesend. So hat man sich, auf Grund einiger Vorgeschichten, im Bezug auf problematische Beziehungen mit Männern, dazu entschieden, die Gruppe um den Pro-Shop künftig nur mit Frauen zu gestalten.
Für die Zukunft ist sogar ein großes Kaufhaus für gebrauchte Sachen, unter Mitwirkung des ASB Bremen, geplant.
Wer mehr über das Geschäft von der Pro Shop GmbH erfahren möchte oder das Projekt durch eine Geldspende unterstützen will und kann, auf die das Projekt angewiesen ist, kann die Internetseite “www.projob-bremen.de” anklicken.

Seit dem 01.02.2014 gibt das Jobcenter für Einrichtungen, in denen In-Jobber arbeiten, vor, dass der Verkauf in den Sozialläden und -cafes, nur noch an BezieherInnen von ALG oder Sozialhilfe stattfinden darf! Geplant ist die jeweilige Ausstellung einer trägerübergreifenden Kundenkarte, mit denen “Bedürftige” dort einkaufen können. Dieses betrifft z.B. Einrichtungen von ASB, Bras, AWO, Bremer Werkgemeinschaft und anderen. Über diese Regelung sind verschiedene Kommunalpolitiker, Mitarbeiter der sozialen Träger sowie viele der Betroffen extrem unzufrieden und versuchen diese abzuwenden. Sie befürchten dadurch eine Ausgrenzung. Auch wären Kunden, die nur knapp über der Armutsgrenze liegen, davon betroffen.
Neben Aldi, Lidl und Co. gibt es seit 2005 auch Sozialläden mit den Ausmaßen eines Discounters. Sogenannte Sozialkaufhäuser voller gebrauchter Waren aus Sachspenden. Hier kann in der Regel jeder die zum Teil aufgearbeiteten Waren kaufen. Mittlerweile geht man von 350 solchen Sozialkaufhäusern, über Deutschland verteilt, aus. In einigen wenigen Sozialkaufhäusern ist der Einkauf nur für Personen möglich, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen. Die gemeinnützigen Träger finanzieren sich durch die Einnahmen aus den Sachspenden, öffentliche Mittel und Geldspenden. In allen anfallenden Arbeitsbereichen werden 1-Euro-Jobber beschäftigt. Vorrangig zählt hier nicht der Gewinn, sondern die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen, die im bestmöglichen Fall die Konditionierung und Wiedereingliederung in den 1. Arbeitsmarkt schaffen sollen. So werden Wiedereingliederungsquoten zwischen 30 bis 50% erreicht. Seit dem Wegfall der fallbezogenen Zuschüsse, z.B. für eine Waschmaschine oder defekte Möbel, boomen die Sozialkaufhäuser, besonders in Westdeutschland. Kritische Stimmen sprechen von einer Verfestigung der Armut und bezweifeln, dass die Ein-Euro-Jobs langfristig eine Alternative sind.