Autor:in: Alina M.

DIE VILLA Wisch

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Das „Haus der seelischen Gesundheit“, wie die Villa auch genannt wird, ermöglicht einem ruhige, bedachte Begegnungen ebenso wie turbulent- witzige oder unterhaltsam- kurzweilige, weil alle, die vorbeikommen, sie von sich aus und willentlich ansteuern, da ihre Seele das im Moment braucht.
Der Umgang unter den Menschen ist respektvoll, auch wenn gelegentliche Streits und Reibereien nicht ausbleiben. Die Villa ist, selbst da Abläufe im Haus gleich bleiben, jeden Tag den man in ihr verbringt, anders. Und manche Besucher ändern sich mit ihr. Damit meine ich nicht die Tagesstimmung oder Laune, sondern bei manchen scheint sich eine tiefergehende Veränderung zu vollziehen. Auch wenn vieles in der Villa gleich bleibt und sie von einigen ihrer Gäste auch kritisiert wird, ist sie für mich ein durchweg positiver Ort. Positiv wegen den Möglichkeiten der zufälligen, zwanglosen Begegnungen, die sie bietet.

Und deshalb dosiere ich meine Aufenthalte inzwischen. Weil- ich bin ein Mensch, der viel allein sein muss, um in seiner Mitte zu bleiben und mein Zuhause, das viele unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten, verschiedene Aufenthaltsmöglichkeiten und somit Plätze birgt, ermöglicht es mir, zu ihr zurückzufinden bzw. sie aufrechtzuerhalten.
Meine Wohnung ist darüber hinaus wie ein Spiegel.
Und wie eine Burg, oder besser noch ein Schiff. Ja, sie ist ein Schiff, auf dem ich der Kapitän bin. In der Villa hingegen bin ich Passagier.

Und die Villa hat ja auch eine Crew: das Küchenteam, und die in ihr tätigen Sozialarbeiter, sowie die von auswärts angeheuerten Therapeuten und die Damen von der Nähwerkstatt, für die in meinem Bild nur der Maschinenraum übrigbleibt.

Ich muss lächeln, als sich bei einem Blick aus dem Fenster mir der Gedanke aufdrängt: ja, von meinem Kahn aus begebe ich mich wie alle anderen Besucher manchmal auf Dampferfahrt auf die ‘MS Villa’.

Man trifft sich wie auf einer Kreuzfahrt immer wieder: beim Essen, im Freien, in der Cafeteria, im Fitnessbereich der Tischtennisplatte oder auf dem Raucherdeck.
Für Unterhaltung ist gesorgt: Spielrunden werden veranstaltet und auch Kreativkurse wie das Zeichnen abgehalten. Am Donnerstagabend gibt es im Hauptsaal einen Rockclub (das sog. Rockcafe).
Der Dampfer hat neben vielen Dauerpassagieren auch solche, die nur gelegentlich eine Strecke mitfahren. Und Sebaldsbrück ist unser Heimathafen.

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