Autor:in: Stefan Franzen

Eine Störung…

 

In meinem Fall ist es eine Krankheit. Diese hat mein Leben total verändert.

Die Rede ist von Multipler Sklerose (MS). Es ist eine Autoimmunerkrankung im zentralen Nervensystem. Die MS tritt in der Regel am Anfang in sogenannten Schüben auf. Dabei variieren die Symptome und die Länge eines Schubes. Diese Form ist dabei die häufigste
Anfangsart der MS.
Du kannst dir das so vorstellen, dass z. B. dein linker Arm taub wird. Dabei weißt du aber nicht, wann es aufhört und ob es überhaupt schlimmer werden kann. Mit dieser Angst müssen wir MS-Patienten leben. Für mich war diese Nachricht ein Schock. Am Anfang wusste ich nicht, was diese Krankheit mit mir macht. Was das für mich und mein Leben bedeutet.

Es war quasi ein „Weltuntergang“…

Jetzt fast zwei Jahre später, mit dem Wissen, was genau diese Krankheit mit einem machen kann, bin ich zwar etwas stabiler… Aber es gibt immer mal wieder die Tage, wo sich der Himmel zuzieht.
Wo auch bei mir eher die düsteren Gedanken an Oberwasser gewinnen.
Die Rede ist dabei von depressiven Verstimmungen. Damit stehe ich aber nicht alleine. Es soll ein Begleitsymptom der MS sein. Natürlich bringt jede schlimme Krankheit diese Erscheinungen mit sich.
Ich schreibe hier aber von der MS, weil ich davon betroffen bin.

Wenn du mit dieser Krankheit umgehen kannst, dann bist du schon einen großen Schritt weiter. Denn dann kannst du diese MS verstehen, zumindest, dieses zu versuchen. Es wird immer der Tipp gegeben, dass man sich über das freuen soll, was man noch kann.
Versuche, alles positiv zu sehen.
Also zum Verständnis: Ich habe eine Sehnerv-Entzündung in meinem linken Auge. Sehe manchmal besser und manchmal schlechter durch dieses. Aber hey… ich bin nicht blind.
Oder: Ich muss manchmal öfter auf Toilette. Das ist o.k. Besser, als inkontinent zu sein. So ist das mit dem positiven Denken gemeint.

Ich kann aber auch verstehen, wenn Menschen damit nicht zurechtkommen.
Wenn die Angst aus verschiedenen Gründen zu hoch ist. Wenn dein soziales Umfeld nicht mehr das ist, welches es vor der Diagnose war und du deswegen immer mehr alleine dastehst. Du vielleicht deinen Job verloren hast. Oder wenn die MS sich verschlimmert.
Gerade am Anfang ist es richtig schwer, mit der Diagnose umzugehen.
Ich glaube, Du kannst diese Punkte verstehen.

Bei all dem, was ich genannt habe, bin ich noch nicht mal auf das eigene Selbstwertgefühl eingegangen. Es leidet nämlich sehr unter dem Gefühlschaos, mit dem viele zu kämpfen haben. Man fängt an, sich selbst nicht mehr zu mögen, weil einige Sachen nicht mehr so funktionieren, wie man es gewohnt ist. Dann kann sich eine Glaubenskrise einschleichen. Man glaubt nicht mehr an sich selbst. Und wenn man dann nicht aufpasst, besteht die Gefahr, sich selbst aufzugeben.

Zum Schluss möchte ich nochmal auf die Unterschiede von Mann und Frau eingehen. Die, die von der MS betroffen sind, sind zu drei Vierteln Frauen und zu einem Viertel Männer. Bei der Psyche kommen dabei am Anfang die „üblichen“ Themen zu Tage. Kann und darf ich überhaupt noch eine Familie gründen? Wie lange kann ich meinem derzeitigen Job noch nachgehen?
Wie schaut es finanziell aus, wenn ich meinen Job verliere?
Erzähl ich es meinen Kindern (wenn man welche hat)? Wem erzähle ich überhaupt davon? Es geistern nicht nur am Anfang 1000 Fragen durch den Kopf…

Ich schreibe mittlerweile einen Blog und betreibe einen Podcast, um anderen Betroffenen Mut zu machen, denn ich hätte dieses am Anfang gebraucht.

Blog-Link: www.zwischen-maennlich.de