Autor:in: Joachim Götz

Eines schönen Tages

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eines schönen tages werde ich im regen singen, und tanzen dabei; wenn der saft eingeschossen sein wird in die bäume und blumen ihren duft versprühen werden ringsum, wenn schmetterlinge sich darum versammeln werden, und ihren ganzen tanz aufführen werden. dann tanze ich mit ihnen. wenn kirschbäume früchte tragen, und sie mir in den mund fallen, so viel reichtum! der überbordend sein wird, und ich nicht begreifend, undankbar und verstrahlt, jeden saft durch meine finger rinnen lasse, so bin ich.

das wird dann sein, wenn ich später davon sagen werde, dass es leben war, das wird dann sein, wenn du mich klagen darüber hörst, dass die zeiten damals besser waren, das wird dann geschehen, wenn die sonne scheint und ich mich verstecke, das alles wird geschehen, während meine tränen kullern und wieder trocknen, um wieder zu fallen, um dann zu trocknen, auf bezaubernde weise erneut, erneuernd, weil ich dich getroffen habe, weil DU jetzt meine einzige hoffnung bist; DU, und sonst niemand auf der welt!

wir werden noch so manches mal auf unseren lagern liegen, nicht wagen, die augen jemals wieder zu öffnen, ob unserer fehler, die wir begingen, ob des schmerzes auf der brust; schwer zu sagen, wo der weg hinführen soll, wenn überhaupt… nur eines bleibt klar, dass uns keine schuld trifft am leid dieses lebens, das uns doch geschenkt wurde! doch wenn uns keine schuld trifft, dann lass uns wiederum tanzen, und uns frei fühlen, schließlich ungefragt hineingeworfen in eine welt, die wir weder geformt noch gewollt! warum soll ich die schulden meiner urgroßväter bezahlen? bin ich nicht ein schmetterling? eine blume? bin ich da? es gibt mich, und darum geht es doch, oder?
und darum, dass ich unendlich viel liebe geben kann! hallo wach? ich bin da! ich wurde niemals gefragt, ob ich da sein möchte, ich musste es einfach, von anfang an! und ich leide darunter, ganz ehrlich!

anfangs freute ich mich noch da zu sein, doch dann kamt ihr! verklärtet mir die welt. jetzt ist der zeitpunkt gekommen, wo ich nicht mehr sehen kann, was ihr mit meinem leben zu tun habt.
jetzt ist die zeit, in der ICH lebe, wo der frühling MIR gehört! genauso wie euch immer früher jeder frühling gehörte, weil ihr ihn euch einfach nahmt, euer eigen nanntet: jetzt ist MEIN frühling, und niemand nimmt ihn mir weg! denn er war ja einst und stets ein geschenk, kostenfrei! wie könnt ihr es wagen!

der frühling ist brutal. bricht bäche und ströme einfach durch mit all seiner kraft! fragt nicht! und doch können wir sehen, dass er stets nur gutes und liebe im schilde führt! bringt auf brutalste weise blumen und blüten aus einem zerbrochenen erdboden hervor! bricht mit dem geltenden gesetz! legt sich mit euch an! ihr, die ihr weint, und tränen vergießt, die wie edelsteine zu boden fallen und klirren, weil gefroren! immer noch gefroren, nach all der zeit! nichtssagend! unbedeutend fallen sie zu boden, nicht weil niemand sie sieht, sondern weil niemand sie zu deuten vermag.

macht das fenster auf! ich bitte euch nun inständig! und lasst luft herein! und nehmt einen atemzug ganz tief! seht was nun geschieht: so sehr die menschen sich auch dagegen wehren, es wird immer irgendwo eine pflanze; und wenn es unkraut ist, oder eine blume wachsen. sie wird durchbrechen durch den zaun, menschengemacht. mit all ihrer zartheit hat sie die kraft! und den mut. weiß sie doch schließlich nicht, dass es mut kostet! und die pusteblume wird aus einem spalt im beton kommen. nichts wird sie daran hindern!

alles treiben, alles wirken und alles wuseln wird nichts nützen, im vorhaben, das leben zu verhindern! denn dieses wird geschehen, und ich werde teil davon sein, ob ich will oder nicht. ob ich nur zuschauer bin eines mir perfekt präsentierten programms oder akteur, das ist eine frage, die ich so nicht beantworten kann. es wird auf MICH ankommen. ICH werde derjenige sein, der sein leben leben muss, und nicht du! du wirst meines nicht leben und ich nicht deins! obwohl ich mir solches schon so manches mal wünschte. aber es wird so niemals geschehen!

und ich lasse mir nicht all zu gerne vorschreiben was ich denken soll! ob es etwa keine größeren probleme gibt in meinem leben? und ich sage entschieden nein! weiß ich doch, dass ich niemandem werde helfen können, solange ich nicht mit zwei beinen fest auf der erde stehe. und doch sag ich auch dazu: welch ein quatsch! ich muss nicht erst mit zwei beinen auf der erde stehen, um helfen zu können! es muss mir nicht erst gut gehen, um ein guter mensch zu sein. und ich weiß nun auch nicht mehr, auf was ich warten soll, um endlich anzufangen zu leben. und ich kann auch lieben, selbst wenn ich niemals selbst geliebt wurde!!! natürlich werde ich immer alles mögliche tun, was ich kann, um dir zu helfen, wenns dir schlecht geht, und ich kann es!, ganz egal wie ich mich gerade fühle, und ob es gerade angebracht ist. denn dann bemerke ich, dass ich lebe! man spricht dabei von einerwin-win-situation. so hilfst du mir, wenn ich dir helfen kann.

wenn ich das wort `freiheit` – viel zu strapaziert, etwa von der werbeindustrie – höre, dann denke ich immer gleich an einschränkung und grenzen. das fällt mir zuerst ein, als gegenpart, weil der mensch ja assoziiert. dann erscheinen vor meinem geistigen auge bilder von zäunen. nur um dann daraus einen vermeintlichen ausbruch zu erschaffen. so soll das denken wohl funktionieren. so möchte man es uns vorschreiben! wenn ich das wort `freiheit` höre, dann stelle ich mir vor, dass alles abfällt von mir! das wort `freiheit`wurde gekauft und verschachert für einen pfennig!

zum glück ist freiheit nicht nur ein wort! zum glück ist freiheit eine realität! freiheit ist eine realität tagtäglich, die es kostenfrei an jeder ixbeliebigen ecke gibt! frei sein zu lächeln, wenn einem danach ist. nicht nachdenken müssen, ob man würdig ist. freiheit braucht keine anstrengung! sie ist einfach da! man muss nicht mal dafür kämpfen! sie wird es vorziehen, sich zu verstecken vor dir, wenn du sie mit aller gewalt versuchst zu jagen! jedesmal wenn du darauf zeigen möchtest, ist sie nicht mehr da!

ich werde nicht mehr darunter leiden, dass ich einfach da bin. ich werde einfach da sein und leben, ohne zu fragen, ob ich das darf. ich werde im entscheidenden moment da sein und leben! für mich, für dich, egal, ich werde da sein, einfach so.

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