Autor: Monika Rosada, Ira Hafer

Janet Frame – Vorstellung einer bemerkenswerten Autorin

 

Sie heißt Janet Frame.
Ihr eigentlicher Name war Nene Janet Paterson Clutha, geboren am 28.08.1924 in Dunedin, Neuseeland.

 

Janet Frame wuchs als drittes von fünf Kindern in einer Eisenbahnerfamilie auf. Eine Familie mit ständig wechselnden Wohnorten. Der Vater verdiente als Tagelöhner nur wenig Geld und diesen Frust gab er mit Schlägen an die Kinder weiter. Ihr älterer Bruder leidete zeitlebens an Epilepsie, ihre zwei Schwestern sind ertrunken.

Sie verließ das Elternhaus, um 1943 in der neuseeländischen Stadt Dunedin Englisch, Französisch und Psychologie zu studieren. Ihr Referendariat absolvierte sie 1945, da war sie knapp 21 Jahre alt. Sie sagte von der Zeit: „Ich war begeistert von Kindern, aber zu schüchtern, um in einem Zimmer voll anderer Lehrer Tee zu trinken“. Sie hat die Schule verlassen und ist nie wieder zurückgekehrt.

Sie war krankhaft schüchtern. Ihr oberstes Ziel war eigentlich nicht aufzufallen, nicht rauszufallen. Janet Frame lebte in einer Welt voller Angst, voller Unsicherheiten, Scham und Zusammenbrüche. Alltägliche Situationen bereiteten ihr große Schwierigkeiten. Sie klammerte sich an die Werke der Literatur, flüchtete in eine Welt der Fantasie. Als ihre Fantasiewelt Gefahr lief, mit der Realität zu kollidieren, unternahm Janet Frame einen halbherzigen Selbstmordversuch. Sie wurde erst zur ‘Erholung’ in ein Krankenhaus in Dunedin und später in eine geschlossene Anstalt gebracht. Fälschlicherweise wurde bei ihr Schizophrenie diagnostiziert. Dies war der Beginn einer achtjährigen Odyssee durch psychiatrische Einrichtungen, begleitet von „über zweihundert unabgeschwächten Behandlungen mit Elektroschocks, von denen jede nach dem Grad der Angst einer Hinrichtung gleichkam“. 1951 erschien ihr Erzählband ‘Die Lagune’, 1954 wurde sie auf Probe entlassen, die anstehende Lobotomie blieb ihr erspart. Ein Literaturpreis soll sie davor bewahrt haben.

Janet Frame schrieb ihren ersten Roman “Owls Do Cry” , der 1954 (deutsch “Wenn Eulen schreien”, 1961) erschien, in dem sie die Tragödie ihrer Familie und ihre traumatischen Erfahrungen in den Fängen der Psychiatrie bearbeitete, denen sie nur durch Schreiben entkommen konnte und die die Karriere der neben Katherine Mansfield bedeutendsten neuseeländischen Schriftstellerin in Gang setzten.

Weiterhin verarbeitete sie ihre Erinnerungen an die Zeit in den Nervenheilanstalten in dem 1961 erschienenen Roman “Gesichter im Wasser” (“Faces in the Water”).

Janet Frame schrieb insgesamt elf Romane, einige Kurzgeschichtensammlungen, eine Poesiesammlung und ihre Autobiographie “Ein Engel an meiner Tafel” (“An Angel at my Table”), die von Jane Campion 1990 verfilmt wurde.

Das Deutschlandradio schreibt in einem Beitrag über Janet Frames Roman “Ein Engel an meiner Tafel” vom 09.10.2012 Folgendes:

‘Ob es wirklich so war? Es gibt Vermutungen, dass ihre Romane autobiographischer seien als ihre offizielle Autobiographie. Ihre “entzündeten Erinnerungen” nehmen in allen ihren Schriften Platz.
Einer ihrer Romane -“Dem neuen Sommer entgegen”- durfte erst nach ihrem Tod veröffentlicht werden, weil sie das Buch zu privat fand, zu intim.
So müssen wir wohl, um uns ein Bild von dieser so sprachdichten Literatin machen zu können, möglichst viele ihrer Bücher lesen. Dürfen sie lesen. Denn Janet Frame ist eine Entdeckung wert.
……. Wenn man Janet Frame liest, tritt man ein in eine fremde Welt, in beunruhigende Träume, beklemmende Ängste, in Zwänge und Zusammenbrüche. Und in eine Welt voller Mut und Ausbruchslust. Eine Welt der magischen Worte über die Fremdheit im Leben, das Singen der Eisenbahnschienen, die paradiesische Wolkenweichheit, über Frames Dasein als gefiederter Zugvogel. Es ist die Suche nach einem Ort für sich, die diese Schriftstellerin so schmerzlich wie staunend erzählt.

Janet Frame übt sich im harmlosen Geplauder, um nur nicht aufzufallen und wieder als geisteskrank angesehen zu werden. Versteckt sich hinter extremer Willfährigkeit. Ein Schattenmensch – von außen betrachtet. Innen ein glühender Vulkan. Was für eine Lektüre.’

Im Jahr 2003 galt sie als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis.

Am 29. Januar 2004 starb sie im neuseeländischen Dunedin im Alter von 79 Jahren an Leukämie.