Autor:in: Sabine Weber

Kein endgültiger Abschied

 

Abschied von meiner nicht gelebten Kindheit,
das heißt für mich,
Abschied von der Einsamkeit.
Abschied von der Angst vor Menschen,
die man mir auf den ersten Blick nicht sofort anmerkt.
Bin eine Angstbeisserin, hat mir mal ein Doktor gesagt.

Das heißt: Wenn mir jemand quer kommt oder zu nah,
kann ich sehr ungemütlich bis hoch aggressiv werden.
Greift mich jemand direkt an, kann ich für nichts garantieren.

Nie wieder Opfer,
hab ich mir selbst geschworen,
als mir meine Handlungsfähigkeit wieder zur Verfügung stand.
Lange viel zu lange war ich paralysiert, im Schock,
handlungsunfähig.
Möchte Abschied nehmen von meiner ständigen Hab Acht Grundeinstellung die mir sagt:

Mensch Pass bloß auf!
Die meisten wollen dir nur was schlechtes,
Dich gebrauchen und zerstören alle! Alle!

Nein, sagt ein anderer Anteil in mir, stimmt doch gar nicht!

Oh doch! Sagt der, der die ersten zehn Jahre nur knapp überlebt hat
und jetzt immer noch ängstlich und bissig aus der Wäsche lauert.

Ich würde dich gerne verabschieden, sagt der jetzt gegenwärtige Anteil,
weil ich dich ehrlich gesagt…… na ja, …weil ich dich nicht mehr brauche,
du schadest mir mehr als alles andere……..

Ich hatte immer meinen Platz bei dir, schimpft die aggressive Stimme,
die immer noch behauptet, nur aggro zu sein, damit sie das Allerschlimmste,
die totale Vernichtung abwehrt.
Na ja, und die droht eben immer und überall. . . . .
merkst du das denn nicht?
Schreit sie mich an.

Nö, eigentlich nicht.

Was? Schreit sie wieder, Spinnst du?
Alarm! Gefahr! Du bist verrückt!

Ich streichle der Stimme über den Kopf: Nun beruhige dich doch mal, hm?
Nein! Du wirst mich nicht los!

Ein endgültiger Abschied ist es nicht geworden für uns beide.