Autor:in: Irmgard Gummig

ONE BILLION RISING 2021

 

ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung. Sie wurde im September 2012 von der New Yorker Künstlerin und Feministin Eve Ensler in die Wege geleitet, eine der größten Kampagnen weltweit zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen.

Die „eine Milliarde“ (one Billion) weist auf eine UN-Statistik hin. Jede 3. Frau weltweit war bereits Opfer von Gewalt, wurde geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen, vergewaltigt oder in anderer Form misshandelt.

Das sind eine Milliarde Frauen, denen Gewalt angetan wird. Es ist keine vereinzelte alleinige Sache der betroffenen Mädchen und Frauen, es ist eine unfassbare und globale Tatsache.

Gewalt gegen Frauen in der Corona-Krise: Eine Schattenpandemie

Jüngste Statistiken aus bundesweitem Rahmen (BfFSFJ, BKA) belegen, dass die häusliche Gewalt gegen Frauen durch die Lockdown-Maßnahmen zugenommen hat. In den zwölf Monaten vor der Corona-Pandemie waren nach Angaben von UN Women weltweit 243 Millionen Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren häuslicher Gewalt ausgesetzt. In Deutschland waren 2019 laut Bundeskriminalamt 114.903 Frauen und Mädchen betroffen. Nach Angaben der Frauenorganisation der Vereinten Nationen UN Women hat Corona-Pandemie weltweit zu einer dramatischen Zunahme häuslicher Gewalt gegen Frauen geführt, die Anrufe betroffener Frauen bei den nationalen Hilfe-Hotlines haben in vielen Ländern um 25 bis 30 Prozent zugenommen. Laut einem Bericht der UN-Mission MINUSCA sind die dokumentierten Vergewaltigungen um 27 Prozent gestiegen.

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt:

„Geschlechtsbasierte Gewalt gegen Frauen hat schon in normalen Zeiten erschreckende Ausmaße. Dass viele Männer ihre Frustration über die Einschränkungen infolge der Pandemie an Frauen auslassen, zeigt wie unter einem Brennglas die Gewalt gegen Frauen als viel grundsätzlichere Pandemie: das geringe Ansehen und die geringe Stellung der Frau in den meisten Gesellschaften.“

Zitatauszüge von Bettina Wilhelm (seit 2017 Bremens Landesfrauenbeauftragte) aus einem Interview vom 14.2.2021 bei Buten und Binnen:

… auch in Bremen ist die Lage angespannt… Nach erstem Lockdown gab es einen Anstieg der Zahlen von häuslicher Gewalt, …dass Familien gerade viel mehr als sonst aufeinandersitzen und das auch zu Stress führt, …Situationen können dann leichter eskalieren, …wenn die Situation zu Hause in der Familie wegen der Pandemie sowieso angespannt ist, denken Frauen, die von Gewalt betroffen sind, eher, dass sie sich zusammenreißen müssen und holen sich keine Hilfe. Hinzu kommt: Viele Treffpunkte, wo es Hilfe geben könnte, sind gerade geschlossen. Durch Kontaktbeschränkungen hat man weniger Kontakt zu anderen Menschen, mit denen man sich austauschen könnte. …In der Corona-Krise zeigen sich die Webfehler, die es schon von Anfang an im System gibt, also noch einmal besonders krass …. Hier in Bremen laufen die Frauenhäuser über.

Mittlerweile wurden 30 neue Übergangsplätze geschaffen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, noch einmal deutlich zu machen, dass Gewalt gegen Frauen in allen Schichten vorkommt, auch in der Ober-und Mittelschicht. Meist wird sie dort nur besser kaschiert.

 

„Es ist an der Zeit, eine neue Geschichte zu erzählen. Es muss unsere Geschichte werden“, schrieb Eve Ensler, als sie 2012 zum ersten Mal den Kampagnentag One Billion Rising initiierte.

Und jetzt? Zum Schweigen gebracht. Das hatte ich vor Jahren schon einmal erlebt und nun wieder.

Nein, ich klage nicht.

Ich stelle fest.

Meine eigene Betroffenheit lässt mich im Moment sehr meine Handicaps spüren. Ich lebe viel zurückgezogener und muss z.B. durch die äußeren Lebensbedingungen wieder aktivierte Ängste erneut überwinden. Aber ich war trotzdem am 14.Februar draußen unterwegs, und ich möchte hier benennen, aufmerksam machen, Mut machen!

Betroffene Frauen leiden physisch wie psychisch, ihre Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe sind dauerhaft beeinträchtigt. Viele können es nicht mehr schaffen, sich aus eigener Kraft aus dem gewalttätigen Umfeld zu befreien. Psychosoziale Arbeit fällt in dieser Zeit einfach weg, Frauen wissen oft nicht, wo sie Hilfe erhalten können. Ich meine, dass Hilfsangebote besser in der Öffentlichkeit beworben werden müssen, z.B. durch große Plakate in Supermärkten und Apotheken und durch Online-Anzeigen, Hilfe und Beratungen müssen noch mehr online angeboten werden, z.B.perOnline-Chat, WhatsApp oder Email. Das Konflikt-und Gewaltpotential in Haushalten mit Kindern ist nachgewiesenermaßen deutlich erhöht: Es müssen Notbetreuungen für Kinder bereitgestellt werden.

Für mich ist wichtig: Trotz Masken hören und sehen wir hin. Reden wir miteinander. Brechen wir das Schweigen.