Autor:in: Anonym

Wie ich in das Hilfesystem kam

 

Nachdem ich 2007/2008 als angestellter Logopäde sowie als selbständiger Gitarrenlehrer gescheitert war, saß ich im folgenden Winter depressiv vor dem stummen Bildschirm (denn auch der Ton verursachte mir mittlerweile psychische Schmerzen (das aktuelle Madonna-Konzert an Sylvester hatte ich gerade noch „mitgenommen“)), einsam draußen auf dem Lande – alleine im Zimmer. Da ich keine weitere „Ablenkung“ als das einzig für mich halbwegs funktionierende PC-Spiel „Solitär“ (Karten in Abfolgen sortieren) hatte, begann ich abseits der verzweifelten Suche nach halbwegs verdaubaren/ästhetischen „Pornos“ (die ich aber niemals fand) sowie ähnlichen „Werbeblöcken“ in meinen lichten Momenten höchst vernünftige und lösungsorientierte Recherchen (sprich Google suchen) zu betreiben (wobei das eine das andere durchaus ergänzte). Da ich bemüht war, den letzten mir verbliebenen Faden zu behalten, versuchte ich meiner erneuten und letztlich schwer enttäuschten Lebens- bzw. Arbeitseinstellung „googlende“ Worte folgen zu lassen und landete trotz fehlender Google-Such-Erfahrung bei einem Angebot der Arbeitstherapie im teilstationären Bereich des Klinikums Bremen-Ost.
Es gelang mir ebenfalls, eine anfragende Mail an den Koordinator des Ergobereichs, Henning Voßberg, zu richten, welche nach ca. zwei Monaten beantwortet sein würde.
Nie werde ich vergessen, wie ich die Antwort-Mail nah bei meinen Eltern in München in einem Internetlokal-PC abrief – es war ein entsprechend bedeutsames, klar bezogenes Gefühl inmitten einer/s wochenlangen, depressiven Gefühlsleere/Chaos!!!
Seitdem sind zwölf Jahre vergangen, und ich provoziere gelegentlich Festangestellte mit der Aussage „Ich gedenke nun, das Hilfesystem zu verlassen“, zumindest solange, wie ich brauche, mir darüber klar zu werden, wie es auf mich wirkt und ob es mir mehr Nutzen bringt, als es mich in Bedrängnis bringt. Aber wo ist der Maßstab, der mich vergleichen lassen kann mit anderen Systemen, in welchen ich mich ebenso aufhalten könnte, da ich mich nun freigeschaufelt habe, zumindest momentan.