Autor:in: Matthias Elsner

Etappenziel erreicht

 

Wir schreiben das Jahr 2020 n. Chr. und es ist Sommer. Die Temperaturen sind etwas zu niedrig für die Jahreszeit. Da ich es lieber kalt habe, spielt mir das voll in die Karten. Hatte vorhin ein Gespräch mit vier Fremden. Das Gespräch war zeitlich begrenzt; daher beschränkten sich alle auf das Wesentliche. Einfach gut.
So gut, dass meine Schreibblockade gesprengt wurde. Und jetzt schreibe ich die Folgegeschichte von „Glück gehabt“. Selbige habe ich vor 18 Jahren geschrieben.
Ich habe zwar immer noch nicht das richtige Schreibpapier und der Kugelschreiber ist auch eine Pfeife, aber irgendwas ist ja immer. Ach, scheiß auf den Stift, bei Gelegenheit hole ich mir den richtigen. Aber keine Zeit zu lamentieren. Die Blickrichtung ist nach vorne, der Gang aufrecht, mit dem Herz eines Kämpfers. Und so schreite ich, wie gewohnt, siegessicher in jeden neuen Tag.
Was sich in den 18 Jahren geändert hat? Das ist eine gute Frage. Eine ausgezeichnete Frage sogar. Geändert hat sich nichts Großes, aber ich habe Gewissheit. Ohne diese Gewissheit kam ich nicht zur Ruhe. Es gibt nicht das Gelbe vom goldenen Ei. Schon schwierig genug, irgendein Ei zu finden; ohne zu suchen! Wie das geht? Selbstachtung in allen Bereichen. Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit, aber keine falsche Bescheidenheit. Sich nicht zu früh freuen und erst recht nicht zu spät freuen. Und natürlich Augen auf. Wie konnte ich das vergessen? Manchmal sehe ich den Friedhof vor lauter Gräbern nicht. Na, und Selbstverständlichkeiten wie Loyalität, Ehrlichkeit, Mut usw. und so fort.
Nach wenigen Jahren wirkt man dann charmant. Spätestens jetzt fängt es an, Spaß zu machen. Als Mensch der Extreme habe ich leider oftmals ein Problem mit Respekt mir gegenüber. Die Zeiten des Pöbelns, die Maßlosigkeiten bei Wein, Weib und Gesang sind vorbei. Zurückhaltung, gewählte Ausdrucksform und einige Tugenden, die mir meine Eltern, Lehrer, Trainer und Meister, frühere Freunde und „last but not least“ meine Tante Ulrike beigebracht haben, sind aufgewacht. Sie sind wieder da!
Zurück zu dem fehlenden Respekt, den mir einige Zeitgenossen entgegenbringen. Die harten Jahre, die mich abgestumpft haben und meine Mimik, Gestik versteinerten, interpretieren viele Leute falsch. Keiner mit halbwegs normalem Menschenverstand weckt schlafende Hunde. Warum auch einen Stierkampf provozieren, ohne Grund? Meine Güte und Freundlichkeit verwechseln sie mit Schwäche, werden unverschämt und anmaßend. Das weckt den schlafenden Drachen in mir. Dieser Drache nimmt kein Blatt vor den Mund. Warum auch? Es verbrennt sowieso. Wer mir dumm kommt, dem komme ich doppelt und dreifach dumm. Das ist nicht die feine englische, aber Drachen sprechen nun mal kein Englisch. Sie sprechen Klartext, unmissverständlich!
Ich gehe nicht weiter auf die Schattenseite meines Drachens ein, sie wirkt auf die meisten verstörend. Die wenigen, die es verkraften können, sind intelligent genug, sich die Ausmaße eines Drachensupergaus auszumalen. Wer von den vielen unbedingt wissen will, wie das ist, der kann mal versuchen, einem Vielfraß die Beute zu klauen. Das geht ganz schnell…!
An alle da draußen, einschließlich aller, die sitzen: „Lasst uns eine gute Zeit haben.“ Not und Elend gab es viel zu viel.
Fortsetzung folgt, vielleicht. „In der Kürze liegt die Würze“ sagte einer meiner Lehrer fast täglich zu uns. Gott hab ihn selig. Prinzipiell gebe ich ihm Recht, aber manchmal ist mir nach Ausschweifen…!