Autor:in: Andreas Römer

Hemelinger Kulturwelten

 

Hier stehe ich inmitten der Kollegenschar der inklusiven Theatergruppe Hemelingen und doch befinden wir uns abseits des gewohnten Procederes und teilen uns den Bühnensaal des Bürgerhauses mit anderen Darstellern. Da diese auch im Anmarsch sind, suchen wir uns einen Raum, um unter uns zu sein oder im späteren Verlauf zurückziehen zu können.

Wozu dieser Aufwand?

Erstens erwartet man bei dieser Veranstaltung, welche am Nachmittag beginnt, ca. achtzig Mitwirkende aus dem städtischen Umkreis und zweitens müssen wir Schauspieler uns miteinander warmmachen, denn mit unserer abendlichen szenischen Improvisation soll es auf der Bühne „knistern“. Doch vorher heißt es noch lange warten. Denn es sind acht darstellende Gruppen vor uns, die sich gegenseitig in Augenschein nehmen können. Ansonsten ist jeder herzlich eingeladen.

Werbung – war gut geschaltet.

Der Titel – vielversprechend:

Hemelinger Kulturwelten.

Wessen Kultur? Welche Welten?

Das ließe sich aus vielen Perspektiven betrachten. Tatsächlich kamen Menschen verschiedener Couleur, in verschiedenstem Outfit und aller Altersstufen und Herkunft.

Um dahin zu kommen, verging viel Zeit, wie Mitveranstalter und Moderator Sascha Heuer erwähnte.

 

Ich selbst als Stadtkultur-Interessierter fühle mich versucht, die verschiedenen Kulturaspekte hier etwas zu beleuchten.

„Live“ entstehendes Schauspiel ist ja schließlich alles andere als traditionelles Darstellen von Archaischem, wie im Bauchtanz, der ebenfalls stattfand und uns „bombastisierte“.

Freies Spiel ist alles andere als das „Vomblattspielen“ komplexer Notenschrift, was sich die Schülerband zutraute und damit wunderschöne Melodien hervorbrachte.

Der ebenfalls vor Ort gerappte Text muss sich schnell in einen Takt pressen lassen und sehr verständlich artikuliert werden.

Das klassische Schultheater musste viele Mitwirkende auf einer Bühne koordinieren, möglichst choreografieren.

Welches ist das Mittel, das Werkzeug, womit die Wirkung erzeugt wird, ein Inhalt transportiert wird?

So habe ich mich mit meinem verspielten Geist nicht an starre Formen binden lassen – und die Teilnahme an einer anderen Gruppe verwerfen müssen, ich wollte kein 12-taktiges Blues-Schema spielen, wie es die Projektband des ASB darbot. Soll übrigens allgemeinen Anklang gefunden haben, weil´s fetzig klang.

Und das lässt sich auch dem hauseigenen Tontechniker zuschreiben, der am Mischpult saß.

Und darin zeigte sich wiederum die sogenannte Professionalität der Veranstaltung, des Ablaufs (nicht der Darsteller).

Der Zeitplan wurde eingehalten und so fand sich sogar Platz für spontanes Mitmachen, wozu  Musik und  Tanz der kurdischen Musiker und Tänzer einluden, und sich inspirierte Zuschauer anschlossen. In einem so entstehenden Kreis wurde der Saal kontinuierlich erschlossen, in ansteckendem Dabei-sein-Spaß, der den Saal erfasste, bis eine „Riesenstimmung“ herrschte.

Natürlich bin ich froh, dass auch unsere szenische Impro gut ankam und die Zuhörer lauschten, denn wir hatten nur unsere Stimmen und unsere Körper. Vor uns hatte man sich noch der Lautsprechertechnik bedient, um dem benötigten „Original-sound“ für den Bauchtanz bereitzustellen.

Die Spieler der Gruppe „Theater mit Geflüchteten“ hatten nur noch ihre Mimik und Gestik, (konnten den Zuschauer aber durch Dynamik und Ausstrahlung bannen). Außerdem machten Flüchtlinge auch Musik auf ihren traditionellen Instrumenten. Und auch die Szenen, welche von Schülern aufgeführt wurden, lebten von lebendigem Reaktionsvermögen. Demnach fanden viele interaktive Aktionen statt, es gab relativ große Gruppen, wo sich viele aufeinander verlassen müssen. Im übrigen waren die Gruppen angekündigt (im Flyer) einfach und kategorisch, was für eine schnelle Übersicht sorgte.

Letztlich war ich auch froh darüber, dass ich mir „zwischen den Stühlen“ einen Platz verschaffen konnte. Mit meiner Aufmerksamkeit, die auf Überraschung gefasst war, vergleichen konnte – zwischen meiner und den anderen Gruppen, zwischen  Wahr-nehmen und Wahr-geben.