Autor:in: Susanne

Meine 2. Familie

 

Die coolste Maßnahme – ein Erfahrungsbericht

Mein Name ist Susanne. Ich bin eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Enkelkinder habe ich auch schon. Ich bin 47 Jahre alt.
Ich bin ein Mensch, den die anderen als lebendig, gut gelaunt, offen und fröhlich beschreiben. Ich bin überall mit dabei und lache viel. „Man muss immer nach vorne und auf die positiven Sachen sehen.“ Daran halte ich mich. Ich glaube, deshalb wirke ich so positiv, obwohl mein Leben wirklich nicht nur rosig ist.
Ich möchte Euch hier gerne von meiner Zeit im LoBeZ-Süd bei der bras e.V erzählen, weil das die coolste Maßnahme ist. Und ich muss das wissen, denn ich bin jetzt schon 15 Monate hier.
Das LoBeZ ist ein Beschäftigungsprojekt in Huchting, das einem das Jobcenter vorschlägt. Meine Vermittlerin sagte mir, ich soll es mir mal ansehen; vielleicht ist es genau das Richtige für mich im Moment, weil es mir psychisch in der Zeit nicht gut ging und ich so viel Ärger hatte.

„Oh Gott! So `ne scheiß Maßnahme wieder! Was wird das wohl?“ :-( Meine Schwester war auch schon in der Maßnahme, sie hatte damals eigentlich nur Gutes erzählt. Ich dachte, dass ich die anderen Teilnehmer nicht mögen würde. Ich hab mir da so überkandidelte oder ätzende Leute vorgestellt und dachte, dass sie mit mir und meiner ehrlichen und direkten Art nicht zurechtkommen würden.
Ich hatte vom Jobcenter einen Zettel bekommen, wo drauf stand, wo und wann ich beim LoBeZ von dem bras e.V. anfangen sollte. Da bin ich dann auch hingegangen. Ein Mitarbeiter hat sich direkt Zeit für mich genommen, mit mir geschnackt, und dann ging es auch schon los. Ich habe in der Küchengruppe mitgeholfen.
Ich passte da von Anfang an gut rein und fühlte mich sofort integriert. Die anderen Teilnehmer haben mir alles gezeigt und erklärt. Sie waren interessiert an mir. Sie haben mich sofort ausgequetscht, gefragt, wo ich herkomme und was ich so mache und mich einfach so für vollgenommen. Ich konnte auch direkt mitarbeiten, wurde sofort mit eingespannt, z.B. beim Kartoffeln schälen.
Ein paar Teilnehmer*innen kannte ich vom Sehen her aus Huchting. Aber richtig kennengelernt habe ich sie dann erst hier im LoBeZ. Inzwischen sind daraus sogar Freundschaften entstanden. Mit einigen treffe ich mich auch privat. Das ist echt schön. Wir helfen uns gegenseitig und haben füreinander ein offenes Ohr. Das hätte ich mir vorher so gar nicht vorstellen können. Einmal bin ich mit einem Kollegen angeeckt. Da dachte ich erst: Das passt überhaupt nicht, das geht gar nicht. Das hat sich dann aber gut entwickelt. Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten kommen wir inzwischen gut klar, so dass ich jetzt denke: Das ist ein netter Kollege. Wer mit meinem Mundwerk nicht klarkommt, der muss mir das einfach sagen. Nicht so hinter meinem Rücken. Dann klappt das auch. Also echt! Ich finde, ich pass hier gut rein. Das LoBeZ ist wie eine zweite Familie.

Die Mitarbeiter des LoBeZ haben alle ein offenes Ohr. Wenn du ein Problem hast, kannst du immer mit jemandem schnacken und mal Luft rauslassen. Mir wird dann einiges klarer, und Hilfsangebote gibt es auch. Mit allen kann man reden, und alles bleibt hier. Nichts geht nach außen. Das finde ich gut, und das ist wichtig. Das geht ja nicht nur mir so. Die anderen Teilnehmer haben auch ihre Probleme. Einige mit Alkohol, andere mit Schulden oder Behördenkram. Die Mitarbeiter helfen uns, dass wir unsere Ziele nicht aus den Augen verlieren und Schritt für Schritt unsere Probleme lösen können. Sie helfen uns bei Bewerbungen und bei Recherchen am PC.
Und meine Anleiterin in der Küche! Das ist `ne coole Socke. Echt! Das macht viel Spaß.
Das Schöne ist, dass uns bei unserer Arbeit freie Hand gelassen wird. Wir können vieles selbst entscheiden. Müssen uns nur untereinander abstimmen, und nur manchmal brauchen wir Hilfe. Wir sehen ja, was zu machen ist.
Am besten ich erzähle Euch nun mal von unserem Arbeitsalltag hier im LoBeZ, damit Ihr Euch das vorstellen könnt.
Es gibt hier vier Arbeitsbereiche: Küchenarbeit/Hauswirtschaft, Gartenarbeit, Künstlerisches oder Freies Arbeiten und das Netzwerk. Im Netzwerk kann man eine Art Praktikum in einem Berufsfeld seiner Wahl machen.

Mir war gleich klar, dass ich in der Küche arbeiten wollte. Das kann ich. Ich habe mir die anderen Bereiche auch angeschaut. Aber das war alles nichts für mich.
Wenn wir morgens ankommen, dann setzen wir uns erstmal zusammen, trinken Kaffee und klönen so`n bisschen. Dann ab 9.00 Uhr gehen alle in ihre Gruppen. Wir aus der Küche haben einen Wochenplan, auf dem steht, was es wann zu essen gibt.
Den Plan erstellen wir in der Küchengruppe immer am Ende der Woche. Und anhand dieses Planes gucken wir dann morgens erstmal, was wir einkaufen müssen. Das machen wir Teilnehmer selbstständig. Von unserer Anleiterin bekommen wir nur das Geld. Dann verteilen wir die anfallenden Aufgaben. Manchmal gehen mehrere zusammen einkaufen. Je nachdem, was es sonst zu tun gibt. Wenn wir etwas Aufwendiges kochen, dann fahre ich auch mal schnell mit dem Rad einkaufen. Danach fangen wir mit dem Kochen an. Auch der Geschirrspüler wird nebenbei ausgeräumt. An manchen Tagen, wenn es wenig zu tun gibt, putzen wir, räumen die Schränke auf oder sitzen auch mal herum und klönen ein bisschen. Es gibt solche und solche Tage. Manchmal gehen wir auch an den PC und suchen nach neuen Rezepten. Nach dem Essen wird dann aufgeräumt und gespült. Die Abwechslung ist ganz schön so.
Ich bin ja nun schon sehr lange da. Länger als alle anderen. Ich habe schon viele Teilnehmer kommen und gehen sehen. Ich freue mich immer, wenn wieder neue Gesichter bei uns auftauchen, so dass ich immer wieder neue Leute kennenlerne.
Die neuen Freundschaften und Kontakte, die ich hier geknüpft habe: Die möchte ich gerne pflegen. Ich habe von einigen die Telefonnummer. Da schreibt man sich mal, ruft mal an und verabredet sich auch. Wir haben schon Silvester zusammen gefeiert.

Ich erzähle hier nur Gutes. Das fällt Euch bestimmt auf. Aber es gibt hier auch nichts Negatives zu erzählen. Mir fällt nichts Schlechtes ein. Woran ich mich besonders gerne erinnere, sind die Situationen, in denen wir alle zusammen etwas machen. Wenn wir z.B. alle zusammen einen Film gucken oder mal einen Spieletag machen. Obwohl es auch Spiele gibt, die müssen nicht unbedingt sein. Auch die gemeinsamen Spaziergänge waren super. Und nicht zu vergessen: Das Grillen im Garten.
Es gibt auch besondere Angebote im LoBeZ. Oft kommt dann hier jemand zu Besuch und erzählt uns etwas, z.B. von der Solidarischen Hilfe. Da geht es meistens rund um die Themen Schulden oder Leistungsbescheide des Jobcenters. Auch der Kulturladen war oft da und hat uns verschiedene künstlerische Techniken gezeigt. Beeindruckend war der Besuch der Mitglieder einer AA (Anonyme Alkoholiker)–Gruppe. Sie haben von ihrem Leben erzählt. Das war spannend und hat viel Mut gemacht. Sehr schön sind auch unsere Ausflüge zu Ausstellungen, zu Lernmessen, ins Theater und was uns sonst so einfällt.
Die Zeit im LoBeZ soll für mich ja den Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglichen. Ich habe eine Berufsperspektive entwickelt und fange dann jetzt auch in einem Monat eine neue Stelle an. Meine Kleinste konnte ich in einer Tagesgruppe unterbringen, so dass ich jetzt auch genug Freiraum zum arbeiten habe.
Das war es eigentlich schon. Alles kann ich ja auch nicht erzählen. Wer mehr wissen möchte, kann ja mal vorbeikommen, am besten jedoch Mittwochnachmittag. Da gibt es eine Extra-Info-Sprechstunde. Obwohl ich sonst nicht male, haben wir für meinen Bericht hier jetzt mal ein Bild gemalt. Da haben wir die Namen aller TeilnehmerInnen hier bei uns aufgeschrieben und für jeden ein Symbol dazu gemalt. Dann sind meine Kollegen auch irgendwie hier im Bericht mit dabei. Denn die gehören alle auf jeden Fall mit dazu.