Autor: Kay Uwe Schätzchen

Nachtgeschichte

 

Eine laue Sommernacht im Viertel. Es hätte alles so schön sein können ……….. Das manische Leben pulsierte auf Hochtouren und versprach Freiheit und Abenteuer.
Aber es kam anders.
Schuld war der Flipperautomat im Heartbreak Hotel!!
Ich (besser bekannt als Lucky Man) durchsuchte vor besagtem Etablissement mein (noch) gut gefülltes Portemonnaie nach Kleingeld, um mir den ultimativen Kick am Automaten zu holen.
Unglücklicherweise blieb das nicht unbemerkt. Plötzlich erschien so ein landläufig als “kriminelles Element” bezeichneter schwarzer Mann mit Migrationshintergrund auf der Bildfläche. Ein Fünfzigeuroschein, der verführerisch hervorlugte, hatte es ihm angetan.
Nicht lange überlegt und der Schein ging, ohne mein Einverständnis, in seinen Besitz über. Der Überraschungseffekt war auf seiner Seite.
Bevor ich begriff, was geschehen war, ward er auch schon nicht mehr zu sehen.
Aber ich gab nicht auf!!
Mühsam (durch meine vom Bandscheibenvorfall verursachte Fußheberlähmung) nahm ich die Verfolgung auf.
Von den anderen Dealern in der Nähe des Sielwalls erfuhr ich, dass er immer die Helenenstrasse aufsuchte.
Dort erwischte ich ihn!
Er hatte gerade das eingenommene Geld abgeliefert und neuen Stoff geholt.
Ich packte ihn am Kragen und schüttelte ihn ordentlich durch, so dass seine Rauschgiftstücke quer über den gesamten Boden verteilt waren.
Ängstlich stammelte er, dass mein Geld sich in dem Puff befände, den er gerade verlassen hatte.
Da ich an seinen Drogen keinerlei Interesse hatte, ließ ich den armen Teufel frei.
Was dann passierte, lief aus manischer Sicht komplett perfekt:
An die Passanten richtete ich die Aufforderung, die Polizei zu rufen.
“Da passiert gleich was.”, sagte ich.
Jetzt trat ich die (billige) Holztür im Puff ein. Ein heftiger Tritt mit meinen Motorradstiefeln (könnten vom Terminator sein) reichte aus!
Die Nutte schrie wie am Spieß.
Auf einmal war der Zuhälter da. Ein Araber.
Freundlich, aber bestimmt, machte ich ihm klar, dass ich auf der Stelle meine 50€ wiederhaben wollte.
Wider Erwarten kam das bei ihm nicht gut an.
Ein gezielter Boxhieb setzte mich außer Gefecht.
Er sagte: “Verschwinde.” Als ich langsam wieder auf die Beine kam, war auch schon die Polizei da.
Dass ich mal beim Bundesgrenzschutz war, wurde mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen.
Dann erzählte ich mit manischer Selbstverständlichkeit, dass ich verdeckter Ermittler wäre und das Ganze eine gezielte Aktion gegen das organisierte Verbrechen war.
Die Polizistin beruhigte ich mit den Worten: Machen Sie sich keine Sorgen um mich; Ich bin ein bisschen für so was trainiert.
Im Krankenwagen musste ich an den goldenen Reiter denken:
SICHERHEITSNOTSIGNALE, LEBENSBEDROHLICHE SCHIZOPHRENIE so hoch auf der Leiter, doch dann fiel ich ab.
Der Arzt in der St.-Jürgen-Strasse wurde mein nächstes Manie-Opfer: Als heldenhafter V-Mann weihte ich ihn ein:
Die ganze Aktion war minutiös geplant. Meine Blessuren (ausgeschlagene Kronen) sind einkalkuliert gewesen.
“Das kennen wir. Das haben wir öfter hier”, sagte er.
Die Krankenschwester war stolz auf mich!!!
Ich kam mir vor wie ein Marvel-Held.
Dann ging ich noch kurz ins Heartbreak Hotel, um ein bisschen zu chillen.
Eine weitere manische Nacht neigte sich dem Ende zu.
Unterm Strich konnte ich sagen: Alles Klar, Herr Kommissar??!