Autor:in: Jessica Sass-Diekmann

Susi

 

Als Susi zu uns nach Hause kam, war sie eine kleine Pflanze, aber kräftig. Wir stellten sie in einen herrlichen roten Übertopf, direkt in unser Sonnenfenster. Das gefiel ihr sehr gut. Wir redeten freundlich mit ihr und gaben ihr Wasser.
Sie blickte auf eine belebte Straße. Neben ihr auf der Fensterbank steht „Queenie“ und winkt.
Susi versucht, ihr neues Zuhause zu erkunden. Sie streckt ihre Ranken aus und windet sich in den Sonnenschutz. Andreas löst sie am Abend mit guten Worten aus dem Sonnenschutz.
Susi wächst, gedeiht, blüht und fühlt sich wohl. Ich binde sie pyramidenförmig zusammen mit einem leuchtend gelben Band, sieht toll aus. Sie wächst, rankt und beobachtet die Straße. Sie wird von uns gegossen, aufgeputzt und bekommt täglich Streicheleinheiten.
Susis rankende Neugier wird mir zu viel. Ich stelle sie auf unseren gläsernen Esstisch. Nun schmückt sie unser Wohnzimmer. Die ersten Tage sucht sie oben mit ihren fünf Ranken linksdrehend Halt. Aussichtslos.
Am liebsten scheint sie es zu mögen, wenn Andreas sie gießt. Ich werde mit Blüten bespuckt.
Die Suche nach Halt ist oben abgeschlossen, nun sucht sie unten.
Wir sind beim Abendessen. Es steht ein Becher mit einem langen Löffel auf dem Tisch. Susi greift sich den Löffel. Nun drehe ich Susis Ranken neu ein.
Wir erklären ihr, dass wir verreisen und sie zur Nachbarin bringen. Ich bitte sie, nicht zu neugierig zu sein und nicht mit Blüten zu spucken. Susi schien sich über die Veränderung zu freuen. Der Tag ihres Umzuges kam und wir verreisten. Wir hatten eine tolle Zeit und hofften das auch für Susi.
Die Nachbarin hatte Susi nach hinten auf ihren Balkon gestellt. Anstatt, dass Susi den Ausblick in den schön gepflasterten Hof genießt, würdigt sie die Nachbarin mit keinem Blick.
Nach dem Urlaub gehe ich gleich rüber, um Susi abzuholen. Die Nachbarin war ganz traurig und hatte das Gefühlt, dass Susi sie nicht mochte. Als ich die Treppe bei der Nachbarin runterging, merkte ich, dass es Susi leid tat, wie sie sich benommen hatte. Die Nachbarin hielt mich noch kurz im Plausch auf, und in der Zeit versuchte Susi mit ihren langen Ranken, sich am Treppengeländer festzuhalten. Ich wies die Nachbarin darauf hin und sagte: „Schau, sie mochte dich doch!“ Die Nachbarin lächelte Susi versöhnlich an.
Wir haben sie in einen größeren Topf gepflanzt und in das Beet im Vorgarten gestellt. Dort hat sie den Herbst in der Oktobersonne genossen. Sie legte noch einmal mit Ranken und Blüten nach. Als es zu kalt wurde, nahmen wir sie mit rein ins Treppenhaus. Sie dankte es uns mit reichlich Blüten.