Autor:in: Sabine Weber, Mariana Volz

Kunsttherapie – ein Interview mit dem Kunsttherapeuten Stephan Jürgens

 

Ob mit Farbe und Pinsel, mit Kohlestift oder Lehmklumpen – seit vielen Jahren bietet der ASB Seelische Gesundheit eine breite Palette von künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Bislang in Gestalt von Karin und Hajo Makrikas, die mit ihren vielfältigen Gruppenangeboten zahlreichen Menschen die Möglichkeit gegeben haben, intensive Erfahrungen zu sammeln.

Seit einiger Zeit erweitert Stephan Jürgens (Dipl.-Kunsttherapeut), gemeinsam mit der Ergotherapeutin Elma Cizmic, dieses Angebot mit einer Kunsttherapie-Gruppe. Die Zwielicht-Redaktion wollte gerne wissen, was dort genau passiert und fragte bei Stephan Jürgens nach.

ZL: Herr Jürgens, ich kann nicht gut zeichnen/malen, kann ich trotzdem an Ihrem Angebot teilnehmen?
Ja klar, es geht wirklich überhaupt nicht um gut oder schlecht, richtig oder falsch, es wird auch nichts bewertet,
so wie man das vielleicht noch von früher, aus der Schule, kennt.

ZL: Wie kann man sich so eine Stunde bei Ihnen vorstellen?
Da die Herangehensweise nicht offen künstlerisch ist, geben wir zu Anfang der Stunde ein Thema vor.
Dann ist Zeit zum Malen.

ZL: Könnten Sie uns ein Beispiel für so ein Thema nennen, und beschreiben, wie so etwas umgesetzt werden könnte?
Ja gerne, ein Thema könnte sein : „Ich bin ein Garten“.
Die Teilnehmer stellen sich dann zuerst die Frage: „Wenn ich ein Garten wäre, wie würde der aussehen ?“
Die Umsetzung ist dann ganz verschieden.
Die einen haben Ihre Gemüsebeete ganz akkurat, da wird ganz deutlich, dass es viel um Leistung, um Arbeit machen, Ertrag schaffen, geht.
Andere malen ein wildes Dickicht mit einer Hängematte und wollen sich nur ausruhen in ihrem Garten.
Ich denke, das sind gute Beispiele für die sehr unterschiedlichen Pole, die entstehen können.

ZL: Geht es nach dem Malen der Bilder noch weiter? Und wenn ja, wie?
Wir versuchen gemeinsam herauszuarbeiten, was das, was in der Gestaltung auftaucht, mit dem Teilnehmer selbst zu tun hat.
Man stellt sich die Frage, wie viel steckt von mir persönlich in dem Bild? Und in wie fern hat das mit den Problemen in meinem Leben zu tun?

ZL: Es ist ja eine Gruppen- Kunsttherapie, werden an dieser Stelle die anderen Teilnehmer auch eingebunden?
Das ist ja der Vorteil an einer Gruppen- Kunsttherapie. Die Bilder werden in der Gruppe besprochen, so kann man direkte Rückmeldungen von den anderen Teilnehmern erhalten.
Was gerade bei den weiterführenden Fragen (gibt es vielleicht Bereiche, in denen man etwas verändern kann?) neue Einblicke und Anregungen geben kann.

ZL: Wie gehen Sie damit um, wenn durch die Kunsttherapie ein empfindliches Thema berührt wird?
Zuerst versuchen wir in der Gruppe darüber zu sprechen. Manchmal wird es dann sogar zum Gruppenthema.
Das ist natürlich nicht immer ganz leicht, in der Gruppe damit umzugehen, und es ist auch abhängig davon, inwieweit die Gruppe das in dem Moment mittragen kann.
Da wir die Gruppe zu zweit leiten, gibt es aber immer auch die Möglichkeit, dass einer von uns mit dem betreffenden Teilnehmer raus geht.

ZL: Wieviel muss man von sich preisgeben? Muss man seine komplette Problematik darlegen?
Das ist unterschiedlich. Jeder entscheidet selbst, wieviel er von sich erzählen möchte, oder auch nicht. Natürlich fügt sich im Fortlauf der Gruppe ein immer klareres Bild des Teilnehmers zusammen. Aber immer nur so viel, wie er oder sie von sich zeigen möchte.

ZL: Sie haben gesagt, dass es keine Rolle spielt, ob man zeichnen kann oder nicht. Aber wie ist es, wenn man etwas zeichnen möchte, aber einfach nicht weiß wie, und stattdessen eine Ersatzlösung zu Papier bringt?
Kann man dann das Bild überhaupt noch analysieren und besprechen? Hat das Bild dann überhaupt noch etwas mit mir zu tun?
Das spielt keine Rolle, solange man über diese Problematik ins Gespräch kommt.
Der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit sagt manchmal auch eine Menge über innere Konflikte aus.

ZL: In welchem Zeitrahmen?
In diesen eineinhalb Stunden in einem festgesetzten Rahmen von zehn Terminen.

ZL: Wie groß sind die Gruppen?
Idealerweise zwischen sechs & acht Teilnehmern.

ZL: Wer kann teilnehmen?
Grundsätzlich gibt es keine Voraussetzungen.

ZL: Was kostet die Teilnahme an der Kunsttherapie?
Für Leute die von Außen dazukommen, ist der reguläre Preis für die zehn Termine 70€. Und der reduzierte bzw. ermäßigte Satz 50€.

ZL: Bei welchen Voraussetzungen ist die Teilnahme kostenfrei?
Wenn Menschen im betreuten Wohnen sind oder in der ambulanten psychiatrischen Pflege oder Soziotherapie vom ASB.
Wenn Leute von der Gapsy (Gesellschaft für ambulante psychiatrische Dienste) betreut werden.
Da gibt es interne Absprachen innerhalb der verschiedenen Anbieter im Rathaus.