Autor: Volker Althoff

Stabilität und Rundumbetreuung  im “Haus Hastedt” – Wohnheim für psychisch Erkrankte ermöglicht Betroffenen einen neuen Lebensraum

 

Wer aufgrund einer schwerwiegenden seelischen Erkrankung in den eigenen vier Wänden nicht mehr zurecht kommt, nach einem längeren Klinikaufenthalt Stabilität braucht und Hilfe bei der Bewältigung des Lebensalltags benötigt, findet die entsprechende Unterstützung und ein sicheres neues Zuhause im „Haus Hastedt“ im gleichnamigen Bremer Stadtteil. Das Wohnheim für psychisch Erkrankte bietet Schutz und Betreuung rund um die Uhr. “24 Stunden ist Personal im Haus, so dass immer jemand ansprechbar ist”, erklärt Susanne Heinrich. Sie ist die Leiterin des Wohnheims, das sich an der Hastedter Heerstraße 123 befindet. Das gelb-braune Gebäude ist L-förmig gebaut. Die Geschichte der Einrichtung reicht zurück bis in die Mitte der 1970er Jahre. “1975 wurde das Haus gebaut. Da war es zuerst ein städtisches Männerwohnheim, dessen Träger das Sozialamt Bremen war”, berichtet Heinrich. “Mitte der 1980er Jahre wurde es, mit der Auflösung der Klinik Blankenburg, zu einem psychiatrischen Wohnheim für Frauen und Männer umgewandelt”. Seit 1993 ist die Einrichtung in den Händen des Trägers ASB (Arbeiter-Samariter-Bund), der im Bremer Osten unter anderem für die Betreuung von Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen zuständig ist.

“Anfangs gab es drei Wohngruppen für jeweils mehr als zehn Personen. Im Laufe der Zeit wurden daraus kleinere Wohneinheiten”, schildert Heinrich. Nun gibt es drei Wohngruppen für jeweils fünf Personen, die folgenderweise aufgeteilt sind: Eine Gruppe setzt sich aus fünf Frauen zusammen, die nur von weiblichen Fachkräften betreut werden.  In einer zweiten Einheit wohnen fünf Männer beisammen, während die dritte Gemeinschaft gemischt ist. Darüber hinaus gibt es neun Einzelappartements und ein Gästezimmer. In den Appartements wohnen Menschen, die sich zum großen Teil selber versorgen können und keine große Hilfe benötigen. Sie wohnen für sich alleine. Die Appartements haben jeweils ein eigenes Bad, aber keine eigene Küche. Die Wohngemeinschaften sind räumlich so eingerichtet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich darin wohlfühlen und ihren Lebensraum gestalten können. Sie geben ein Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes; es ist wie ein kleines Zuhause: Dafür sorgt beispielsweise in der Frauengruppe, die sich im Erdgeschoss befindet, eine kleine Sitzecke, die mit Sessel, einer Couch und einem Fernseher ausgestattet ist.  Ferner ist eine Küche mit Kühlschrank, Herd und Geschirrspüler vorhanden. Zur Ausstattung gehören auch zwei Badezimmer, wovon eines mit Badewanne und WC und eines mit Dusche und WC eingerichtet ist. Überdies stehen den Bewohnerinnen noch eine Waschmaschine und ein Trockner zur Verfügung. Zusätzlich befindet sich in der Gruppe ein Tresor, in dem die Medikamente der fünf Bewohnerinnen aufbewahrt werden. Außerdem hat die Gemeinschaft einen eigenen Hauseingang und Zugang zum Garten. Ähnlich eingerichtet sind die anderen beiden Wohngruppen, die im ersten Stock angesiedelt sind. Die Fäden für die Betreuung der drei  Wohneinheiten laufen in den Büros zusammen, die sich im Erdgeschoss  befinden. Dort gibt es ein Besprechungszimmer für die Frauengruppe, eines für die Männergemeinschaft und eines für die gemischte Einheit. In allen drei eigens gestalteten Räumen treffen sich die Betreuungskräfte und besprechen ihre Aufgaben. “Die Mitarbeiter teilen sich in kleine Teams auf”, erklärt die Einrichtungsleiterin die Struktur. Und dann gibt es noch ein zentrales Dienstzimmer, in dem der Arbeitsplatz von Susanne Heinrich eingerichtet ist. “Hier laufen die meisten Informationen zusammen”, so Heinrich.

Insgesamt sind im “Haus Hastedt” 25 betreute Personen beheimatet. „Die vereinbarten 25 Plätze sind seit der Übernahme der Einrichtung durch den ASB vor 25 Jahren durchgängig zu 100 Prozent besetzt. Nur bei Aus- und Einzügen kann es renovierungsbedingt mal zu wenigen Tagen Leerstand kommen“, kommentiert  Wolfgang Rust, Geschäftsführer des ASB für seelische Gesundheit, die Belegzahlen. Unter den Bewohnern ist Christine Rinke. Sie lebt schon sehr lange im Wohnheim und ist sehr aktiv. “Ich backe zum Beispiel für die Nikolausfeier der evangelischen Kirchengemeinde in der Nachbarschaft jedes Jahr Nusskuchen. Und für die Silvesterfeier hier im Wohnheim bereite ich das Buffet vor”, berichtet Rinke. Sie hat vorher sechs Jahre lang in einer vom ASB gemieteten Wohnung alleine gelebt. Dort wurde sie ambulant betreut. “Es war sehr turbulent und schwierig, alleine zu wohnen”, erzählt die über 50-Jährige, die in Bremen geboren wurde. Sie leidet an einer psychischen Erkrankung, möchte aber nicht sagen, um welche Diagnose es sich handelt. Die Bewohnerin habe selber den Wunsch geäußert, ins Wohnheim zu ziehen. Das sei aus ihrer Sicht der richtige Schritt gewesen. Sie hat sich gut eingelebt und ist bestens integriert. “Ich habe zwei feste Freundinnen hier und komme größtenteils mit den Bewohnern aus.” Aber es gäbe auch einige Bewohnerinnen und Bewohner, mit denen sie nicht so viel Kontakt habe, erzählt sie. Das hänge davon ab, ob ihre Mitbewohner freundlich seien oder nicht. Zudem sei es manchmal sehr laut und turbulent. Rinke bewohnt ein Einzelappartement. “Das ist aufgeräumt und sehr sauber. Es ist ein Vorzeigezimmer”, beschreibt sie ihren Lebensraum. Das Zimmer ist zwar sehr klein, aber vollgestellt mit Bett, Tisch, Stuhl, einer Couch und einem Fernseher. Sie hat sich ihr Appartement sehr heimelig eingerichtet. Rinke ist Selbstversorgerin. Sie kocht sich selbst drei Mahlzeiten am Tag. Darüber hinaus kauft sie eigenständig ein und putzt ihr Appartement in Eigenregie. Hilfe und Unterstützung bekommt sie, indem sie zum Beispiel zu Behörden, Ämtern oder Ärzten begleitet wird. “Ich habe zwei Bezugsbetreuerinnen, zu denen ich einmal die Woche regelmäßigen Kontakt habe”, erklärt Rinke. In ihrer Freizeit geht sie gerne spazieren. Sie hat Kinder, zu denen sie einen harmonischen Kontakt pflegt. Ihr Bruder besucht sie einmal im Monat und schaut nach ihr. Sie fühlt sich gut aufgehoben im Wohnheim: “Das Zusammenleben ist wie eine große Familie, in der man sich kennt.” Einen großen Vorteil gegenüber dem ambulant betreuten Wohnen sieht sie darin, dass zu jeder Zeit ein Ansprechpartner da sei. Ähnlich äußert sich Rita Berisa. Sie hat ein Jahr im “Haus Hastedt” gewohnt. Dort bezog sie ein Einzelappartement. Zuvor hat sie in einer Wohnung alleine gelebt. “Ich habe das Leben im Wohnheim als sehr familiär empfunden”, beschreibt Berisa. Sie habe viel Wärme, Geborgenheit und Schutz erfahren. Zu ihrer Bezugsbetreuerin hatte sie ein inniges Verhältnis. “Ich habe mehr Gutherzigkeit und Einfühlungsvermögen erlebt als von meiner eigenen Mutter. Die Betreuer sind ausgesprochen nett und haben sich sehr um mich gekümmert. Sie haben versucht, mir die Wünsche von den Augen abzulesen. Auch die Heimleiterin, Frau Heinrich, ist außerordentlich nett. Sie ist die Seele des Hauses und hat immer ein offenes Ohr und Herz.” Anfangs musste sie sich erst an die neue Umgebung und die Mitbewohner im Wohnheim gewöhnen. Denn die Bewohner hätten ja die unterschiedlichsten Krankheitsbilder. Zudem gäbe es auch manchmal Konflikte mit einzelnen Mitbewohnern. Es war Neuland für sie. Doch mit der Zeit habe sie sich eingelebt.

In der Einrichtung arbeiten insgesamt 22 Mitarbeiter. Von denen sind einige nur nachts anwesend, andere tagsüber, aber nur mit wenigen Stunden. Die Betreuungskräfte kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen: Ergotherapeuten, Sozialarbeiter, Heilerziehungspfleger, Heilpädagogen, Psychologen, Krankenpfleger und einige mit Zusatzausbildungen. Unter den Mitarbeitern ist eine Wohnbetreuerin, die ihren Namen jedoch nicht nennen möchte. Sie arbeitet seit 2003 im „Haus Hastedt“. „Bis 2007 war ich in der Nachtbereitschaft tätig und seit nunmehr zehn Jahren arbeite ich in der Tagesschicht“, berichtet die Betreuerin. Sie unterstützt fast nur Männer, bis auf eine Frau. „Ich versorge eine Gruppe mit sehr viel älteren Leuten. Die sind zum Teil über 60 Jahre.“ Ihre Tätigkeiten seien sehr vielschichtig. Dazu erklärt sie: „Meine Hauptaufgabe besteht darin, bei den Bewohnern eine psychische Stabilität zu erreichen. Sie sollen lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen und zu leben. Darüber hinaus leite ich sie bei alltagspraktischen Dingen, wie zum Beispiel dem Duschen, an. Insgesamt wirken wir unterstützend in unseren Tätigkeiten.“ In Bremen hat sie Soziale Arbeit studiert und ist in den Bereich Psychiatrie hineingerutscht. Ihre Arbeit im Wohnheim mache ihr erstaunlicherweise unglaublich viel Spaß. „Ich komme gerne hier her. Denn es kommt von den Bewohnern etwas zurück, zum Beispiel ein Lächeln. Die Menschen hier sind schon sehr traurig, belastet und traumatisiert. Das ganze Leben ist sehr anstrengend. Trotzdem erlebe ich eine Zufriedenheit. Und wenn ich helfen kann, dann ist das sehr schön“, erzählt die Wohnbetreuerin. Sie und ihre Kollegen begleiten die Bewohnerinnen und Bewohner durch den Tag und die Woche. Denn in der Einrichtung leben „psychisch kranke Menschen, deren Fähigkeiten in der selbständigen Lebensführung krankheitsbedingt so beeinträchtigt sind, dass eine ausreichende Versorgung mit ambulanten Kontakten nicht ausreicht“, skizziert Wolfgang Rust.

Ein Großteil der Menschen, die im Heim leben, weise eine Psychose auf, erklärt Einrichtungsleiterin Susanne Heinrich. Dazu kämen Klienten mit bipolarer Störung und schweren Depressionen. Durch die psychischen Erkrankungen seien die Menschen häufig verunsichert und hätten oft das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Das seien Prozesse, in denen Ängste die Oberhand gewinnen könnten. Und das wiederum begünstige aggressives Verhalten, so die Heimleiterin. Denn dies führe zu einem Gefühl, sich wehren und verteidigen zu müssen. Schwierige und aggressive Situationen entstünden also nicht aus Bosheit, sondern aus Angst und Verunsicherung. So bräuchten die Bewohner viel Schutz und haben einen großen Hilfebedarf. Dieser ist gleichzeitig die Voraussetzung für die Aufnahme im Wohnheim. „In der Regel leben hier Menschen, die einer Hilfebedarfsgruppe (HGB) vier oder fünf zugeordnet sind“, definiert Heinrich. „Bei HGB vier werden pro Woche rund 11 Stunden, bei HGB fünf 16 Stunden finanziert. Darin enthalten sind allerdings auch die Zeiten für die fachliche Leitung sowie die Ausfallzeiten (Urlaub, Krankheit, Fortbildung) und Zeiten für begleitende Tätigkeiten (Dokumentation, Fallbesprechungen, Kontakten zu Kooperationspartnern), also alles, was direkt oder indirekt mit der Betreuung zu tun hat“, stellt Rust dar. Die Kriterien für eine Aufnahme seien eher weiche, so Heinrich. Das bedeutet:  Können die Menschen etwas miteinander anfangen, gibt es Potenzial, sich gegenseitig zu unterstützen, gibt es ein ähnliches oder unterschiedliches Aktivitätsbedürfnis und ähnliche Kriterien. Finanziert wird ein Wohnheimplatz in der Regel zum Teil vom Amt für Soziale Dienste. Die Behörde zahlt einen Beitrag dazu. Denn die Erwerbsminderungsrente, die viele Bewohner erhalten, reiche oft nicht aus, so die Einrichtungsleiterin. Die Bewohner bekommen einen Barbetrag ausgezahlt, der sich in Taschengeld (liegt bei 112,32 €) und Bekleidungsgeld (liegt bei 21,84 € und ist seit Jahren konstant) aufteilt. Und dann gibt es noch Verpflegungsgeld für Heimbewohner, die sich eigenständig gut versorgen können. Diese sogenannten Selbstversorger gehen täglich in die Tagesstätte „Villa Wisch“ und essen dort zu Mittag. „Wir finden es gut, dass sie in der Villa essen, weil sie dann mal aus dem Haus gehen und ein bisschen ‚Restaurant‘-Atmosphäre genießen können. Zudem treffen sie dort andere Menschen und schließen so neue Bekanntschaften. Außerdem können sie dort ihren Horizont erweitern“, so die Heimleiterin. Die Vollversorger, die im Wohnheim ihre Mahlzeiten einnehmen, können von montags bis mittwochs natürlich auch in die Tagesstätte gehen und dort essen. Das hänge jedoch davon ab, ob sie den Weg dorthin schaffen. Ansonsten können sie im Heim essen. Das Mittagessen dort wird angeliefert und in der Zentralküche aufgewärmt. Donnerstags und freitags kochen die Bewohner gemeinsam mit den Betreuern, in einer der Wohngruppen sogar jeden Tag.

Eine Wohlfühloase ist der Garten, der bei den Bewohnern sehr beliebt ist. Zu finden sind dort unter anderem ruhige Sitzecken mit Bänken. “Da kann man sich mal zurückziehen und alleine sitzen. Auch gibt es ganz schöne versteckte, lauschige Ecken, wo man sich im Sommer aufhalten kann”, beschreibt die Einrichtungsleiterin Susanne Heinrich. Ebenso gibt es einen Meerschweinchenstall, der von Mitarbeitern der ASB-Tagesstätte “Villa Wisch” gebaut wurde. Den pflegt hauptsächlich die Bewohnerin Christine Rinke. “Ich mag sehr gerne Meerschweinchen. Sie sind wie meine eigenen Kinder.” Sie kümmert sich um die Tiere, füttert diese und macht den Stall sauber. In Zukunft solle auch noch ein Hühnerstall gebaut werden, merkt Heinrich an. Großen Zuspruch finden unter den Bewohnern auch die vielseitigen Angebote, die es im Wohnheim gibt. Dazu zählt besonders die tägliche Kaffeerunde, die nachmittags um 15 Uhr stattfindet. Dann treffen sich die Bewohner bei Kaffee und Kuchen zum gemeinsamen Plausch. Auch einige Betreuer sind dann dabei. Zu den weiteren Aktivitäten gehören der Singkreis, die Freizeitgruppe und das gemeinsame Kochen oder Backen.

Überdies bietet das „Haus Hastedt“ unterschiedliche, niedrigschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten an. Zum Beispiel kümmern sich Bewohner darum, das Frühstück vorzubereiten und den Frühstückstisch zu decken, so dass alles bereit steht. Kaffee und Tee müssen gekocht werden. Auch das Abendbrot muss vorbereitet werden. Darüber hinaus können Bewohner in der Hauswirtschaft mithelfen oder Kuchen backen für die Wochenenden. „Beschäftigung tut ganz gut. Nicht zu viel darf es sein und keine Überforderung. Auf jeden Fall ist es für alle ein Gewinn“, erklärt Heinrich. Auch im Werkatelier „Paljano“, das sich in den Kellerräumen des Wohnheims befindet, können Bewohner kleine Arbeiten verrichten. „Wir bieten einen niedrigschwelligen Arbeitsbereich für alle Klienten vom ASB. Teilweise arbeiten bei uns aber auch Injobber vom Arbeitsamt“, erklärt der Arbeitsbetreuer Albert Schott. In den vier Werkräumen stellen derzeit 22 Teilnehmer Produkte aus Holz her. „Sie bauen Spielsachen und Dekorationsartikel für den ASB und für private Aufträge. Die Produkte werden dann an Privatleute verkauft oder im Sozialkaufhaus Hemelingen zum Verkauf bereitgestellt“, so Schott. Die Teilnehmer können in der Zeit von 8 bis 16 Uhr von täglich einer bis sechs Stunden arbeiten. Unter den Teilnehmern ist Heimbewohnerin Christine Rinke. Sie führt Holz- und Tonarbeiten aus. „Es macht zwar Spaß, aber es ist nicht mein Fachgebiet.“

Ein wichtiger Aspekt beim Lebensalltag im Wohnheim bezieht sich auf die Pflichten und Rechte der Bewohner. Es gibt zum Beispiel einen Bewohnerbeirat, der sich regelmäßig mit der Heimleitung zusammensetzt. Dort werden von der Bewohnerschaft zusammengetragene Wünsche, Interessen und Beschwerden vorgetragen. Darüber hinaus kann jeder Einzelne wichtige Dinge mit der Heimleitung besprechen. Des Weiteren gestalten die Bewohner das Essen mit und sagen, was sie sich gerne an Mahlzeiten wünschen. Eine niedrigschwellige Verpflichtung bestehe darin, mit Hilfe der Betreuer den Fußboden freizuräumen, damit die Reinigungskraft durchwischen kann, erklärt Susanne Heinrich. Bei der Zimmerreinigung müsse ein Mindestmaß an Sauberkeit gewährleistet sein, was die Betreuer – so gut es geht – unterstützen. Ein sehr großes Feld sei die gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz. „Die Bewohner müssen versuchen, miteinander gut zurechtzukommen.“

Bei der Vermittlung von Kompetenzen für die Heimbewohner geht es darum, zu schauen, wo die Interessen eines jeden Einzelnen liegen und wie man sie wecken kann. „Entwickelt jemand Interessen, hat er ein Gefühl, was ihm guttut und was ihm nicht guttut“, erläutert die Heimleiterin. Der Lernprozess hänge davon ab, wie offen ein Bewohner sei. „Denn man kann nur das lernen, was man lernen will. Wenn man verschlossen ist, kann man nichts lernen.“ Sie und ihre Kollegen versuchen bei jedem Menschen genau das zu finden, was für ihn das Richtige sei. Denn jeder Mensch habe ein anderes Lebensthema. Im Großen und Ganzen gehe es darum, wieder mehr Sicherheit über seinen eigenen Platz im Leben zu finden, um unabhängiger zu werden.

In der Nähe des Wohnheims befinden sich einige Wohnungen, in denen ehemalige Wohnheimklienten untergebracht sind. Sie werden von Mitarbeitern des „Haus Hastedt“ ambulant betreut und sind somit an die Einrichtung weiterhin angebunden. Das Wohnheim diene den Klienten als Ansprechpartner, erklärt Susanne Heinrich. Die Betreuer gehen in die Wohnungen und führen Betreuungsgespräche durch. Diese Betreuungsform sei zum Teil sehr intensiv, weil der Genesungsprozess und der Gewinn eines Sicherheitsgefühls der Bewohner lange dauere. „Weil diese Außenbetreuungen im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens finanziert werden, vergrößert sich das Team “Haus Hastedt” dadurch und ist mit Heim- und Außenwohnungen für 40 Menschen zuständig“, skizziert Wolfgang Rust.

Die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner im “Haus Hastedt” ist zwischen 40 und 55 Jahre alt, wobei die Altersspanne zwischen Ende 20 und 75 liegt.” Es gibt auch einige Menschen hier, die bis zu ihrem Lebensende bleiben”, bemerkt Heinrich. Doch wenn jemand pflegebedürftig wird, dann komme er in ein gerontopsychiatrisches Wohnheim. Die Einrichtung sei allgemein jedoch nicht darauf angelegt, dass die Bewohner ganz  und gar ihr Leben dort verbringen.  “Wir wollen die Menschen dahingehend entwickeln, dass sie mit weniger Hilfe zurechtkommen und irgendwann ausziehen.” Durchaus gebe es aber Menschen, die sehr viele Jahre im Wohnheim leben, weil sie sich sicher fühlen und sich selber gefunden hätten. Andere würden nicht so lange bleiben. Dazu gehört Rita Berisa. Sie hat es geschafft, wieder in eine Wohnung zu ziehen. Nun wird sie vom ASB ambulant betreut. “Ich bin selbstbewusster geworden, bin gestärkt aus dem Heim gegangen und wieder ins Leben zurückgegangen”, freut sich Berisa und blickt auf eine positive Zukunft.