Autor: Volker Althoff

Empörung über Veränderungen im Gesellschaftshaus

 

Das Gesellschaftshaus (GSH, Haus 17) auf dem Gelände des Klinikums Bremen-Ost (KBO) ist laut einer Beschreibung eine gemeinsame Begegnungsstätte für stationäre und ambulante Patientinnen und Patienten der psychiatrischen und forensischen Abteilungen und deren Angehörigen. Die Gäste erhalten dort ein Angebot, dass es sonst im Klinikum nicht gibt. Das GSH bietet eine großzügige, wohltuende Alternative zu den beengten und reglementierten Verhältnissen auf den Stationen. Somit ist das GSH auch ein deeskalierendes Angebot. In der jetzigen Ausrichtung besteht es seit 30 Jahren, und ist ein beliebter, stationsfreier Treffpunkt mit überwiegend selbstverwaltenden Angeboten für wenig Geld.  Das GSH ermöglicht einen zugewandten und angstfreien Kontakt zum Team. Es ist kostengünstig, ungeheuer effizient und ein Gewinn für die Innnen- und Außenwirkung des Klinikums. Unter den Besuchern ist eine Anzahl von Stammgästen aus dem Bremer Osten, die neben den außerordentlich engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern die verlässliche Basis des GSH bilden.  Überdies nutzen Stationen mit Patienten das GSH als Abwechslung zur Station. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums halten sich dort auf, um schnell mal einen Kaffee zu trinken oder ein Eis zu essen. Darüber hinaus finden Besuche von Angehörigen und Freunden von Patienten statt. Ebenso kommen Besucher von außerhalb, weil ihnen die spezielle Atmosphäre zusagt. Seit dem 1. September scheint die so wohltuende Atmosphäre im GSH getrübt zu sein. Denn seit Anfang des Monats ist ein Team der neuen Regelversorgung BravO (Bremen ambulant vor Ort) (https://zwielicht-bremen.de/bravo-ein-bedeutender-schritt-in-der-psychiatriereform/) unter dem Dach des GSH untergebracht. Im ersten Stock, wo sich bisher ein Abstellraum, ein Büro und Kunsttherapie-Räume befanden, haben nun Mitarbeiter von BravO ihre Büros. Dies hat zur Folge, dass die Kunsttherapie nur noch einen Raum im Erdgeschoss zur Verfügung hat: das bisherige Wohnzimmer, in dem sich die Besucherinnen und Besucher zurückziehen, in gemütlicher Atmosphäre Kaffee trinken, sich unterhalten oder miteinander Gesellschaftsspiele spielen konnten. Sehr empört darüber ist Parwin Zolaimanie; sie ist Teilnehmerin der Kunsttherapie unter der Leitung von Ariane Blaue. „Der Raum ist viel zu dunkel und zu eng. Vorher hatten wir mehr Beweglichkeit. Außerdem können wir unsere Bilder nicht mehr archivieren und unser Material wie Bleistifte und Pinsel nicht mehr lagern. Wir müssen unsere Sachen alle mit nach Hause nehmen“, sagt sie frustiert. Zudem gebe es keinen Zugang zum Internet mehr. Zolaimanie fühlt sich sehr gedemütigt.  „Wir sind nicht einbezogen worden in dem Entscheidungsprozess, dass wir umziehen müssen.“ Frustiert ist auch Torsten Poenisch (54) über die Veränderungen, die sich gerade im Gesellschaftshaus abspielen. Er arbeitet seit eineinhalb Jahren ehrenamtlich in der Küche des GSH „Angefangen bin ich mit drei Tagen in der Woche. Jetzt bin ich täglich hier. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß und Freude. Ich bin gerne hier“, freut sich Poenisch. Der Kontakt zur Leitung wie auch zu den anderen Mitarbeitern sei sehr gut. Und dennoch ist Poenisch zu tiefst enttäuscht und versteht nicht, warum die Mitarbeiter vom BravO-Team gerade in das Gesellschaftshaus eingezogen sind. Durch den Einzug ist das Wohnzimmer nun nicht mehr vorhanden und auch der Musikraum ist aufgelöst worden. Dort befindet sich jetzt das Wohnzimmer. „Allerdings ist es dort jetzt sehr beengt“, merkt Poenisch an. Auch die Bekleidungskammer, die sich im Erdgeschoss befand, ist nun nicht mehr im GSH. „Die Besucher haben teilweise schlechte Laune, sind traurig und machtlos. Sie können sich nicht mehr in Ruhe unterhalten. Konflikte sind programmiert.“ Die Atmosphäre im GSH sei durch das Angebot BravO zerstört, so Poenisch. Er hat Angst davor, dass das GSH eines Tages aufgelöst werde. Der geschäftsführende Direktor des Zentrums für psychosoziale Medizin, Prof. Dr. Jens Reimer, sieht zwar auch, dass es für die Kunsttherapie und den anderen offenen Angeboten im Gesellschaftshaus durch die Ansiedlung des BravO-Teams im Gesellschaftshaus etwas enger geworden ist. Dennoch sieht er genug Spielräume: „Das Gesellschafthaus ist relativ groß. Wenn man sich die Nutzungsintensität anguckt, dann ist es so, dass da Räumlichkeiten auch durch Zusammenrücken noch besser genutzt werden können. Das Haus ist 400 Quadratmeter groß, und ich bin mir sicher, dass dort alle zusammen unter kommen.“