Autor: Volker Althoff

Fehltage am Arbeitsplatz durch psychische Erkrankungen nehmen zu

 

Bremen liegt – hinter dem Saarland – auf Platz zwei in der Statistik, was Fehltage bei der Arbeit durch psychische Erkrankungen betrifft. Der Wert liegt bei 218 je 100 Versicherte und bezieht sich auf das vergangene Jahr. Das ist das Ergebnis des neuesten DAK-Psychoreports 2019, den die Krankenkasse kürzlich herausgegeben hat. „Die stärksten Diagnosen bei den psychischen Erkrankungen sind Depression und Reaktionen auf schwere Belastungen und Angststörungen“, teilt Claus Uebel, Pressesprecher der DAK-Gesundheit, schriftlich auf Anfrage der „Zwielicht“-Redaktion mit.  Laut der Erhebung sind in den Branchen Verkehr, Lagerei und Kurierdienste (5,6%), der öffentlichen Verwaltung (4,3%) sowie Handel und Gesundheit (beide 4,1%) die höchsten Krankenstände in Bremen zu verzeichnen. Dabei liegt der Anteil der psychischen Erkrankungen am gesamten Krankenstand in Bremen bei 18 Prozent. „Die Branchen öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen sind Bereiche mit Stress und Zeitdruck, häufig aufgrund von Sparmaßnahmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies zu seelischen Problemen führt. Es ist aber auch kein Beweis dafür, das das so ist – das muss man sich immer vor Augen führen“, betont  Henning Faulenbach, Chefarzt beim Zentrum für seelische Gesundheit in Bremen.

Bei den Geschlechtern ist laut der Studie festzuhalten, dass der Krankenstand der weiblichen Versicherten über dem der Männer liegt. „Der durchschnittliche Krankenstand betrug 2018 bei den Frauen 5% und bei den Männern 3,6%“, so Claus Uebel.  Der höhere Krankenstand von Frauen sei im Wesentlichen auf eine höhere Fallhäufigkeit zurückzuführen. Gründe sehe man in einer größeren Bereitschaft der Frauen, sich mit dem Thema „Psyche“ auseinanderzusetzen, stellt Faulenbach fest. Er beobachtet, dass in Bremen Arbeitnehmer häufig sehr lange krankgeschrieben sind. Die Patienten bekämen oft weder eine leitliniengerechte Psychotherapie noch entsprechende Medikamente. Die Zeit von der Krankschreibung durch den Hausarzt bis zum Beginn der Therapie sei zudem häufig viel zu lang – manchmal ein Jahr oder mehr.